Evangelische Kirche in Nidda-Ulfa
Bild © Jens Naumann / hr

Über die Ulfaer Kirche mit ihren alten Glocken ist schon viel geschrieben worden. Meist wurde die größere der drei Glocken aus dem Jahr 1334 hervorgehoben. Den Guss der beiden kleineren Glocken schätzt man auf etwa 100 Jahre später.

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Glocken

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Beim Silvesterläuten 2011/2012 fiel der Klöppel aus einer der drei Glocken, weil das Hängeeisen, welches an dem Klöppel angebracht ist, ausgebrochen war. Der Klöppel wurde wieder in das nur noch einseitig begrenzte Hängeeisen hinein gehängt, doch ein Jahr später fiel der Klöppel erneut heraus. Diesmal war das Eisen komplett herausgebrochen. Die Glocken wurden untersucht und umfassende Reparatur- und Restaurierungsarbeiten für notwendig erachtet.

Dr. Martin Balz, Orgel- und Glockensachverständiger der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, untersuchte die Glocken eingehend und erstellte im Mai 2003 ein Gutachten, in dem er u. a. schreibt: "Die Kirche in Ulfa besitzt ein außerordentlich wertvolles Geläut aus der Zeit des frühen 14. Jahrhunderts. Einzelne Glocken aus dieser Zeit gibt es zwar des Öfteren, ein dreistimmiges Gelute dagegen ist außerordentlich selten." Er empfahl, die Glocken in ein spezielles Glockenschweißwerk zu bringen, umd ie Glocke schweißen und ein neues Hängeeisen einfügen zu lassen. In diesem Zuge sollten auch ausgeschlagene Stellen an den Glocken ausgebessert werden.

Der damalige Ulfaer Pfarrer Dr. Johannes Dittmer wollte es genau wissen. Im Berliner Rathgen-Forschungslabor, spezialisiert auf Atom-Absorptionsverfahren, wurde eine Analyse des Glockenmetalls vorgenommen. Prof. Josef Riederer, Direktor des Insituts, erläuterte das Ergebnis: "Die drei Glocken wurden aus einer relativ zinnreichen Glockenbronze mit Zinngehalten von 20 bis 22 Prozent und einem sehr geringen Bleianteil von 1,3 bis 1,8 Prozent gegossen. Die Zusammensetzung der drei Glocken ist, wenn man sie mit der möglichen Bandbreite von Zusammensetzungen ähnlich alter und aus der gleichen Region stammender Glocken vergleicht, so übereinstimmend, dass an der gleichzeitigen Herstellung der Glocken durch den gleichen Gießer kein Zweifel besteht."

Im März 2004 kamen die drei Glocken repariert und restauriert wieder nach Ulfa zurück. Sicher ist, dass im Ulfer Kirchtum ein ganz besonderes Glockengeläut hängt: Auf jeden Fall das älteste Dreiergeläut Hessens, wahrscheinlich auch Deutschlands.

Von Günter Stahnke

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