Neue St. Nicolai-Kirche in Frankfurt-Ostend
Bild © Jens Naumann/hr

Im Jahr 1900 entstand in Frankfurt die Evangelisch-Lutherische St. Nicolai-Gemeinde durch Teilung des ehemals riesigen Nikolai-Sprengel der großen Frankfurter Stadtgemeinde. Der Kirchenbau der neuen St. Nicolai-Kirche wurde am 31. Oktober 1909 eingeweiht.

Die Kirche

Die ursprüngliche neue St. Nicolai-Kirche wurde am 4. Oktober 1943 völlig zerstört, lediglich der Turm ragte, beinahe unversehrt, über den Ruinen.

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Glocken

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Erst in den 50er Jahren erfolgte der Wiederaufbau der Kirche. Zunächst wurde der Turm saniert, 1954 mit einer neuen Spitze versehen, und am Ostersonntag 1956 konnten die drei neuen Turmglocken feierlich geweiht werden; die kleinste von 1909 war erhalten geblieben. Die zweite neue St. Nicolai-Kirche wurde im Jahr 1959 fertig gestellt und prägt seitdem das Stadtbild im Frankfurter Osten.

Die Glocken

In dem an einen italienischen Campanile erinnernden Turm hingen vier Glocken, gegossen von der Firma Rincker, in Sinn, in dem Akkord c, es, ges und a. Die Glocken erhielten folgende Namen und Glockensprüche:

  • Jubilate - Nun jauchzt dem Herrn alle Welt!
  • Cantate - Ein feste Burg ist unser Gott!
  • Rogate - O heil'ger Geist, kehr bei uns ein!
  • Exaudi - Ach bleib bei uns Herr Jesu Christ!

Im Ersten Weltkrieg musste die Gemeinde drei der vier Glocken und die Eindeckung des Kirchendaches hergeben. Erst 1924 konnten drei neue Glocken angeschafft werden, die während des Zweiten Weltkrieges wieder abgegeben werden mussten. Sie wurden als "Metallspende des Deutschen Volkes" eingeschmolzen. Nur die kleinste durfte die Kirchengemeinde behalten, und so kommt es, dass heute noch die "Exaudi - Ach bleib bei uns Herr Jesu Christ!" von 1909 läuten kann.

Die seit 1956 für St. Nicolai läutenden drei neuen Glocken und die Glocke von 1909 haben folgende Töne, Namen und Glockensprüche:

  • Glocke I (1956) – Ton: cis – Name: "De Profundis" ("Aus der Tiefe"; Text entsprechend Psalm 130) – Glockenspruch: "Herr, erbarme dich!",
  • Glocke II (1956) – Ton: e – Name: "Te Deum" ("Herr Gott, dich loben wir"; ein Hymnus aus dem 4. Jahrhundert) – Glockenspruch: "Allein Gott in der Höh' sei Ehr!" – zweiter Name: "Augustana"; abgeleitet von einer Bekenntnisschrift der Lutheraner, der sogenannten Augsburgischen Konfession ("Confessio Augustana"),
  • Glocke III (1956) – Ton: fis – Name: "Sursum Corda" ("Die Herzen in die Höhe"; der Gesang vor dem Präfationsgebet in der Abendmahlsliturgie) – Glockenspruch: "Meine Seele erhebet den Herren!",
  • Glocke IV (1909) – Ton: a – Name: "Exaudi" ("Erhöre!"; der Name des 6. Sonntags nach Ostern) – Glockenspruch: "Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ!"

Wenn die vier Glocken zusammen an Sonn- und Feiertagen läuten, erklingt ein sogenanntes Ideal- oder Parzival-Motiv (cis – e – fis – a). Dieser Klang ist im Hörbeispiel zu hören. Für kleinere Gottesdienste unter der Woche (z.B. Andachten, Stundengebete,...) läuten zwei oder drei davon in entsprechend der Kirchenjahreszeit wechselnden Kombinationen.

Alleine läutet Glocke I, wenn ein Gemeindeglied beerdigt wird, Glocke III zum Mittags- und Abendläuten und Glocke IV zum Vaterunser in unseren Gottesdiensten. Für das Morgengebet (die "Laudes"), Dienstags um 6:45 Uhr zum Ende des Kirchenjahres, in der Adventszeit und in der Passionszeit, wird eine fünfte Glocke (Ton h) dreimal von Hand angeschlagen. Diese Glocke befindet sich seit dem Jubiläumsjahr 2009 in der Tageskapelle der Neuen St. Nicolaikirche und kann nicht – wie die anderen Glocken – maschinell geläutet werden.

Evangelisch-Lutherische St. Nicolai-Gemeinde, Waldschmidtstr. 116, 60314 Frankfurt am Main
Erich Rückl, Jochen Kerler / 100 Jahre Neue St. Nicolai-Kirche Frankfurt am Main, Evangelischer Regionalverband Frankfurt am Main, Schriftenreihe Nr. 31, Juni 2009

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