Alte Nikolaikirche in Frankfurt
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Die spätgotische Kirche liegt nahe dem Main am Römerberg und ist als Teil eines charakteristischen Ensembles auch über Frankfurt hinaus bekannt. Der Mitte des 12. Jahrhunderts als Hofkapelle begründete Bau stammt in seiner heutigen Erscheinung aus dem 15. Jahrhundert und wird als eine der acht Dotationskirchen Frankfurts seit 1949 als Gotteshaus von der Evangelischen Paulsgemeinde genutzt.

Das Geläute

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Glocken

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Alle alten Glocken, einschließlich des Glockenspiels, mussten während des Zweiten Weltkriegs für Kriegszwecke abgegeben werden. Aufgrund ihres schlanken Turmes sind die vier 1956 von der Gießerei Rincker in Sinn neu gegossenen Glocken relativ klein und klingen in ein- bis zweigestrichener Tonlage. Sie wiegen zusammen 1319 kg. Die Glocken selbst hängen noch an Stahljochen, die alsbald gegen Holzjoche ausgetauscht werden sollten, um ein weicheres Klangbild des gesamten Geläutes zu erzielen.

  • Versöhnungsglocke, Nominal: gis1-3, Gewicht: 584 kg, Durchmesser: 1.006 mm, Inschrift: Lasset euch versöhnen mit Gott (2 Kor. 5, 20)
  • Christusglocke, h1-3, 351 kg, 847 mm, Einer ist euer Meister, Christus (Mt. 23, 10)
  • Dankesglocke, cis2-2, 238 kg, 752 mm, Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster (Ps. 92, 2)
  • Gebetsglocke, e2-3, 145,5 kg, 634 mm, Wenn ich dich anrufe, erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft (Ps. 138, 3)

Glockenspiel mit 47 Glocken

Außerdem besitzt die Alte Nikolaikirche seit 1939 ein Glockenspiel, das nicht Teil des Stadtgeläutes ist. Es wurde 1957 gegossen und 1959 und 1994 auf insgesamt 47 Glocken erweitert. Es deckt den Tonumfang von g1 bis c5 ab (davon c2 bis c5 chromatisch) ab. Die Glocken wiegen zusammen 3.500 kg, wobei die größte von ihnen allein 560 kg schwer ist. Es ist täglich dreimal um fünf Minuten nach der vollen Stunde um 9:05, 12:05 und 17:05 Uhr zu hören. Dabei werden jeweils zwei programmierte Melodien abgespielt, ein Kirchen- und ein Volkslied. Das Glockenspiel ist zudem über eine Klaviatur und Pedale spielbar. Solche Konzerte finden im Allgemeinen nur zu besonderen Anlässen statt.

Morgens vom Glockenspiel der Alten Nikolaikirche: Das älteste deutsche Kirchenlied "Christ ist erstanden" ertönt täglich

Dreimal am Tag (9.05, 12.05 und 17.05 Uhr) ertönen Lieder - jeweils ein Kirchlichenlied und ein Volkslied - vom Glockenspiel der Alten Nikolaikirche. Seit Ostersonntag hört man täglich um 9.05 auf dem 47-stimmigen Glockenspiel das Osterlied "Christ ist erstanden."

Als das älteste deutsche Kirchenlied gilt das Osterlied "Christ ist erstanden". Gesungen wurde es bereits im 12. Jahrhundert. Im Anschluss an ein Osterspiel, in dem die Geschehnisse der Auferstehung szenisch dargestellt wurden, sang die Gemeinde "Christ ist erstanden". "Mehr ein Jubelruf, als ein Lied", sagt der Literaturwissenschaftler Hermann Kurzke. Mit drei Zeilen leicht zu merken: "Crist ist erstanden von der marter alle, des sul wir alle fro sein, crist soll unnser trost sein, Kyrie leyson."

In seiner ersten Form wurde das Lied über mehrere Jahrhunderte gesungen. Mündlich überlieferte Texte hätten immer eine verblüffend hohe Konstanz gehabt. Im 15. Jahrhundert erfuhr das Lied erste Erweiterungen. Auch Martin Luther fügte ihm eine Textstrophe und Halleluja-Rufe hinzu. Durch Luthers Zusatzstrophe hat das Lied jedoch keine neue Aussage bekommen, der Reformator wollte vermutlich das Volk nur etwas länger singen lassen.

Ende des 16. Jahrhunderts wurde damit begonnen, dem Osterlied zusätzliche Strophen hinzuzufügen und "Geschichten rund um die Auferstehung zu erzählen", so Kurzke. Im 17. Jahrhundert hatte das Lied 25-36 Strophen. Heute wird das Lied in einer Fassung des Luthertextes gesungen. Nur bei der Melodie gibt es noch einen kleinen Unterschied zwischen den Konfessionen.    

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