Darmstadt-Dieburg Babenhausen-Langstadt: Ev. Pfarrkirche

Der älteste Nachweis über ein Gotteshaus in Langstadt stammt aus dem Jahre 1482: Erwähnt wird eine Kapelle, die in der Ortsmitte stand.

Evangelische Pfarrkirche Langstadt in Babenhausen-Langstadt
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Die Kapelle wurde von Altaristen betreut und gehört zur Pfarrei Altdorf (ein im dreißigjährigen Krieg untergegangenes Ort südlich von Babenhausen).

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Im Jahre 1523 erfolgte eine Erweiterung dieser Kapelle durch einen größeren Chorraum. Langstadt wurde 1561 selbstständige Pfarrei, die Kapelle somit Pfarrkirche. Bereits im 18. Jahrhundert reichte der Platz in der Kirche nicht mehr aus, obgleich man mit Emporeneinbauten zusätzliche Sitzgelegenheiten schuf. Der Plan einer Verlängerung nach Westen im 18. Jahrhundert blieb unverwirktlicht. Lediglich der Dachreiter wurde in dieser Zeit neu errichtet. In ihm befanden sich zwei Glocken.

Bei immer größerer Raumnot, entstand 1849 erstmalig die Absicht, die alte Kirche durch einen Neubau zu ersetzen. Wirklich konkret wurde das Vorhaben allerdings erst in den 1870-er Jahren. Mit dem Baureferendar Heinrich Adalbert Schneller - der seinerzeit beim Kreisbauamt in Erbach tätig war – wurde 1876 ein tüchtiger Baumeister gefunden.

Ein neugotisches Gesamtkunstwerk

Nun ging alles sehr rasch: 1877 erfolgte der Abbruch der alten Kirche. Den Gedanken der Gemeinde Langstadt, den alten Chor in den Neubau einzubeziehen ( um Kosten zu sparen ), verwarf der Architekt. Es entstand vom Frühjahr 1878 bis 1880 ein neugotisches Gesamtkunstwerk von hoher architektonischer und künstlerischer sowie handwerklicher Qualität.

Glücklicherweise blieben der Kirche moderne Veränderungen weitestgehend erspart. Besonders Eindrucksvoll wird die Gestaltung des Westwerks sowie im Innern die Deckenausmalung mit dem dominierenden kräftigen Blau empfunden. Aus der alten Kirche wurde übernommen: Die Altarplatte, das Türgwand vom Chor in die Sakristei, das Türgewand von der Sakristei in den Kirchgarten, der Opferstock sowie die beiden Bronzeglocken. Die beiden Glocken wurden um eine dritte ergänzt und in den damals hochmodernen Glockenstuhl aus Stahl aufgehängt.

Neue Glocken aus Stahl

Leider wurden die alten Glocken im ersten Weltkrieg eingebüßt – zwei davon dienten Rüstungszwecken; die dritte Glocke, die kleinste, blieb zwar erhalten, konnte aber wegen Materialknappheit nicht wieder mit zwei Bronzeglocken ergänzt werden. Die Gemeinde entschloss sich zur Anschaffung von drei Stahlglocken, die als einzige Zierde lediglich die Jahreszahl 1918 trugen. Die alte Glocke wurde schließlich in einem Türmchen des Rathauses untergebracht.
Obgleich Stahl als minderwertiges Material für den Glockenguss gilt, war in schwieriger Zeit ein harmonisches Geläut in Dur – Dreiklang entstanden (dis, f, as). Hersteller war die Firma J.F:Weule, Bockenem im Harz.

Ende der 1990 – er Jahre waren die Korrosionsschäden bei der großen Glocke so groß, dass Sachverständige zur Anschaffung eines neuen Geläuts rieten: Es waren regelrechte Löcher entstanden und es nahm die Gefahr zu, dass die Glocke einmal beim Läuten zerspringt. 2005 wurden drei neue Glocken aus Bronze in der Gießerei Lauchhammer ( Sachsen ) gegossen und im September in den Turm verbracht. Seit dieser Zeit ist das hier noch zu hörende Stahlgeläut Geschichte. Es sei angemerkt, dass das neue Geläut die Tradition des Dur – Dreiklanges in Langstadt fortsetzt, auch wenn ein solches heute nicht mehr "Mode" ist.

Quelle: hr4