Ein Junge im Schlafanzug steht nachts mit einer Decke im Garten.

Über Schlafwandler gibt es jede Menge Mythen. Abstruse Geschichten von Dingen, die Menschen beim Schlafwandeln getan haben sollen. Doch was ist dran? Und warum schlafwandelt man überhaupt?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Schlafwandeln - woher kommt das?

Schalfwandel
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Schlafwandeln wird in der Medizin "Somnambulismus" genannt, ein langes Wort das sich aus dem Lateinischen herleitet und zu deutsch tatsächlich "im Schlaf umhergehen" bedeutet. Das Phänomen beschreibt, wenn eine schlafende Person das Bett verlässt ohne dabei aufzuwachen und teilweise dabei Tätigkeiten verrichtet.

Wie kommt es dazu?

Schlafwandeln gehört zu den Schlafstörungen und kann chronisch, aber auch nur einmalig auftreten. Meistens sorgen äußere Einflüsse wie Geräusche oder Berührung dafür, dass man schlafwandelt. Aktuelle Forschungen gehen davon aus, dass es sich um eine Störung des Aufwachmechanismus handelt, denn normalerweise führt ein kurzes Aufwachen dazu, dass wir uns einfach umdrehen und weiter schlafen.

Schlafwandeln tritt nur während der Tiefschlaf-Phase auf, nicht in der Traumphase (REM-Schlaf). Die Auslöser können vielfältig sein: Fieber, Schmerzen, Harndrang, laute Geräusche, psychischer Stress oder Alkoholkonsum - allgemein gesprochen: Ursachen die für einen unruhigen Schlaf sorgen, können auch Schlafwandeln auslösen.

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Mondsüchtige Menschen

Der Mythos, dass der Mond und seine Anziehungskraft für die mysteriösen Schlafwandler verantwortlich ist, stimmt nicht. Menschen können nicht "Mondsüchtig" werden. Auch das Ausleben, von dem, was man gerade träumt, ist ein Mythos und eine haltlose Behauptung, die sich im Volksmund gehalten hat. Hinweis darauf gibt die Schlafforschung, die bewies, dass Schlafwandeln nie in der Traumphase auftritt.

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Was macht man beim Schlafwandeln?

Schlafwandeln ist meistens gefahrlos und so bleibt es bei unspektakulären Taten, wie dem Aufstehen aus dem Bett, undeutlichem Sprechen oder das bloße Aufsetzen aus dem Schlaf. Die Betroffenen wachen meist recht schnell auf und können im Anschluss wieder zu Bett gehen. Im Erwachsenenalter kann es zu Problemen kommen, wenn die Betroffenen sich gegen Bettpartner richten oder gegenüber Personen, die ihnen helfen wollen, gewalttätig werden.

Häufig werden beim Schlafwandeln motorische Bewegungen wiederholt - das Umherschieben von Bettwäsche im Bett, das Öffnen von Schränken und Türen - in einigen wenigen Fällen auch komplexe Handlungsabläufen, wie Autofahren oder essen.

Durch das Wegfallen von Ängsten, die im Wachzustand die Person hemmen, kommt es von Zeit zu Zeit vor, dass Schlafwandler ungewöhnliche Fähigkeiten entwickeln. Da allerdings die Orientierung und Koordination stark eingeschränkt sind, werden Hindernisse oft nicht wahrgenommen und es kann zu Treppenstürzen oder zum Sturz aus dem Fenster kommen.

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Mord als Schlafwandler?

Einen besonders extremen Fall gab es Mitte der 1980er-Jahre in Kanada. Der 23-jährige Student Kenneth Parks fuhr etwa 23 Kilometer mit dem Auto, brach bei seinen Schwiegereltern in die Wohnung ein und verletzte seine Schwiegermutter tödlich mit einem Küchenmesser. Nachdem er erwachte, zeigte er sich selbstständig bei der Polizei an. Im Schlaflabor konnte nachgewiesen werden, dass er die Tat vollkommen unzurechnungsfähig im Zustand des Schlafwandeln begangen hatte.

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Welche Behandlung gibt es?

Betroffene besuchen meist ein Schlaflabor, dort werden Untersuchungen durchgeführt, um die Schwere des Phänomens zu bestimmen. In leichten Fällen ist eine Behandlung nicht nötig.

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Wenn jedoch eine gewisse Schwere vorliegt oder Verletzungsgefahr besteht, können diese Tricks die Gefahr mindern. Dazu gehört das Abschließen von Türen vor dem Schlafen gehen, sowie das Fixieren eines Zweitschlüssels am Körper.

Ein regelmäßiger Schlaf-Wach Rhythmus und eine gute Schlafhygiene helfen, die Ruhephasen zu optimieren und so ein Schlafdefizit zu vermeiden. Denn ein fester Schlaf verhindert Schlafwandeln in vielen Fällen. Auch autogenes Training oder Meditation vor dem Zubettgehen reduziert physische und psychische Anspannung und helfen beim Einschlafen.

Nur in extremen Fällen und wenn eine hohe Verletzungsgefahr besteht, wird unter ärztlicher Kontrolle eine medikamentöse Therapie versucht.

Sendung: hr4, hr4 - Britta am Vormittag, 04.09.2019, 10:00 Uhr

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