Der Laserscape in Kassel
Laserscape Kassel: vom Zwehrenturm kommend leuchtet er Richtung Herkules. Im Vordergrund ist das das Schloss Wilhelmshöhe zu sehen. Bild © picture-alliance/dpa

Ich bin Kasselanerin, in Kassel aufgewachsen und immer noch da. Bei der documenta 6 im Jahr 1977 war ich fünf. Und seitdem liebe ich die wolkenlose Nacht in der nordhessischen Metropole. Denn dann zerschneidet das Kunstwerk Laserscape den tiefschwarzen Himmel.

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hs

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Ein bisschen Star Wars am Kasseler Himmel

Bevor ich überhaupt wusste, dass Figuren wie Luke Skywalker mit einem Laserschwert Kämpfe gegen das Böse gewinnen, hatte ich einen Faible für dieses ganz besondere Licht - das mal ganz ungehindert die sternenklare Nacht durchschneidet oder von geheimnisvollen Nebelschwaden durchzogen seine Strahlkraft auf dem Weg verliert.

Wie oft habe ich im Dunkeln auf der Rückbank unseres Familienautos gelegen, die Augen durch die Seitenscheibe nach oben gerichtet und mich, dem Verlauf des Lasers auf der Wilhelmshöher Allee folgend, gefragt, ob Vögel wohl auf diesem messerscharfen Strahl sitzen können.

Drei Strahlen in der Aue

Zu Abizeiten sind wir dann Nächtens durch die Aue gestolpert - an lauen Sommertagen, ein kühles Bier in der Hand oder eine Flasche süßen Lambrusco, der an die letzte Klassenfahrt in die Toscana erinnerte. Begleitet haben uns dort drei Strahlen des Lasers, einer in Richtung Schwanenpavillon, zwei weitere entlang der barocken Achsen der Karlsaue. Sie scheinen unter den Brücken von Hirsch- und Küchengraben hindurch und schaffen so eine ganz besondere Stimmung durch die Spiegelung auf der Wasserfläche.

Laserscape Kassel
Der Laser steht in der höchsten Etage des Zwehren-Turms, einem Überbleibsel der mittelalterlichen Kasseler Stadtmauer. Bild © picture-alliance/dpa

Spendenaktion für die Modernisierung

Jahre später, ich war mit Kind und Kegel immer noch in Kassel, stand der Laser vor dem Aus, eine Modernisierung stand an und es fehlten 150.000 Euro, um das nächtliche Wahrzeichen zu retten. Die Stadt beteiligte sich mit 90.000 Euro, der Rest sollte über eine Spendenaktion finanziert werden. Und so kam ich wieder ins Spiel - ich habe mir 2007 für 10 Euro einen kleinen Traum erfüllt: Ein Meter des knapp 7.5 Kilometer langen Lasers gehört jetzt mir. Von meinem Schlafzimmerfenster aus kann ich ihn sehen, meinen Meter. Am dunklen Nachhimmel, direkt über dem Bundessozialgericht.

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Hintergrund

Das Kunstwerk Laserscape war ein offizieller Beitrag zur documenta 6 und erhellte den Kasseler Nachthimmel zuerst 1977 - damals als erste Laser-Skulptur der Welt. Das Werk des Düsseldorfer Künstlers Horst H. Baumann begeisterte die Menschen in Kassel, so dass die Lichtinstallation seit dem 13. Januar 1979 permanent zu sehen war. Drei grüne Laserstrahlen durchschneiden die Nacht und treffen auf die Orangerie, das Landesmuseum und den Herkules. Die Beliebtheit zeigte sich auch 2006. Damals musste für viel Geld die Technik erneuert werden. Unterstützer konnten für 10 Euro einen Meter Lichtstrecke "erwerben". Innerhalb eines Jahres waren mehr als 6.000 Meter verkauft. Bewundern kann man die Lichtinstallation jeden Samstag von Einbruch der Dunkelheit bis 1 Uhr nachts.

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Sendung: hr4, Britta am Vormittag, 12.01.2019, 10:00 Uhr

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