Eine Frau hält ein Bündel Luftballons

Sich rechtzeitig ums Älterwerden kümmern - und vor allem die Vorteile sehen. Das bringt mehr Lebensfreude und Lebensqualität, verspricht der Architekt und Buchautor Matthias Hollwich.

Tipp 1: Das Leben im Alter gut und frühzeitig vorbereiten

Vom Tag der Geburt an werden wir immer älter. Das ist ein Prozess, der uns das gesamte Leben begleitet. Von daher sollte man früh damit anfangen, sich darauf vorzubereiten. Alles, was man frühzeitig justiert, hat später Auswirkungen auf ein gutes Leben. Mit 40 sollte sich jeder sein Leben angucken - nach vorne schauen und planen. Wichtig ist, dass man sozial eingebunden lebt, in einer Umgebung, in der man auch zu Fuß seine Besorgungen machen kann. Wer sich dann noch eine gewisse körperliche Fitness erhält, der hat einen guten Anfang gemacht.

Tipp 2: Die eigene Haltung zum Altern verändern

Es ist wichtig, das Altern als Teil des Lebens zu sehen und das Leben als Geschenk. Vor ein paar Generationen haben wir Menschen das 50. Lebensjahr oft gar nicht erlebt. Das ist heute anders und das ist toll.  Wichtig ist die eigene Einstellung zum Älterwerden. Viele Leute wollen jung bleiben - für immer. Das ist nicht die Realität. Man sollte das Älterwerden genießen und so einen positiven Einfluss auf sein eigenes Leben bekommen.

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„Älter werden ist ein Geschenk.“ Zitat von Matthias Hollwich
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Mit der positiven Annahme des natürlichen Älterwerdens kann man dann auch etwas strategischer in die Zukunft sehen und planen und die richtigen Weichen für ein eigenständiges, und ausgefülltes Leben stellen.

Tipp 3: Die eigene Wohnsituation anpassen

Die Architektur, die einen umgibt, sollte das Älterwerden erleichtern, statt sie zu erschweren. Mit dem Koffertrick können Sie frühzeitig Knackpunkte in den eigenen vier Wänden ausmachen und entschärfen. Ist genug Platz, um sich umzudrehen, habe ich Orte oder Möbelstücke, wo ich mich abstützen oder etwas ablegen kann?

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Ist die Wohnung altersgerecht?

Ein Tipp von Matthias Hollwich: einfach mal mit einem Trolley-Koffer durch die Wohnung fahren. Ecken, an denen man mit Koffer hängenbleibt, können auch später zum Hindernis werden.

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Gibt es Türen, die ergonomisch falsch aufgehen oder kleine Stufen, die mir den Alltag erschweren? Matthias Hollwich sagt: Wohnen auf einer Ebene kann ab einem gewissen Alter leichter sein. Ist das Badezimmer groß genug? Stehen, sitzen, sich bücken - all das sollte möglich sein.

Tipp 4: Sich ein soziales Umfeld schaffen

Früher mussten die Menschen sich wenig Gedanken über das Alter machen. Sie sind Teil der Familie geblieben und haben als Großeltern-Generation neue Aufgaben in der Großfamilie bekommen. Heute ist das anders, da leben die Generationen nur noch in den seltensten Fällen an einem Ort oder gar unter einem Dach. Die Definition von Familie hat sich aufgeweicht, da können auch Kollegen, Freunde oder Ex-Partner dazugehören. Wen man in seinen inneren Zirkel einlässt, ist ein Bereich, den man möglichst offen betrachten sollte. In dieses soziales Kapital sollte man frühzeitig investieren und einander helfen.

Tipp 5: Aktiv bleiben trotz Ruhestand

Viele von uns freuen sich auf den Ruhestand. Der ist oft auch schwer verdient. Doch wir müssen aufpassen, dass wir nicht von einem Tag auf den anderen von einem produktiven Leben in eine passives Leben übertreten. Bedeutungsvolle Aufgaben sind für die Lebensperspektive sehr wichtig. Also auf jeden Fall Aufgaben suchen und die auch nach der Pensionierung weiterführen. Dies kann mit der vormaligen Arbeit zu tun haben, oder alternativ ganz andere Aktivitiäten beinhalten: Ehrenamtliche Arbeit, Nachhilfe geben, auf Kinder aufpassen, den Garten pflegen… Es gibt viele schöne Dinge, die man sein Leben lang machen kann. 

Tipp 6: Alternativen zum Auto finden

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Das Buch

Älter werden Jung bleiben
Smart planen, zufrieden leben, Spaß haben
von Matthias Hollwich
Edel Books
Preis: 14,95 Euro
ISBN 978-3-8419-0525-3

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Wir müssen sicherstellen, dass wir auch ohne Auto unser Leben eigenständig und unabhängig leben können. Auf das eigene Auto verzichten, muss man nicht, allerdings kann man sich im Alter nicht immer auf das Auto verlassen. Von daher sollte man entweder früh an einen Ort ziehen, an dem man kein Auto braucht, oder eine Alternative zum Auto finden. Fahrdienste, Mitfahrmöglichkeiten etc.

Tipp 7: Am virtuellen Leben teilnehmen

Wir leben in einer digitalen Revolution und es gibt viele neue Online-Services, die gerade älteren Menschen eine gewisse Unabhängigkeit ermöglicht. Fahrdienste machen einen vom Auto unabhängig, Lieferdienste machen das Einkaufen und Kochen leichter. Hier geht es um die Notwendigkeit, offen für Neuerungen zu sein, die direkt das Leben positiv verändern.

Tipp 8: Sich Feedback einholen

Älterwerden ist ungefähr so, wie wenn man eine neue Firma gründet. Es ist nie verkehrt, die eigenen Ideen und Pläne für die Zukunft von Freunden oder anderen Menschen feedbacken zu lassen: Sind meine Pläne umsetzbar? Wo könnten die Knackpunkte sein? Was brauche ich, um das so umzusetzen? Gegebenenfalls kann man sich hier natürlich auch Unterstützung von einem Experten - zum Beispiel Ärzten, Architekten oder Rechtsanwälten einholen.

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Der Autor

Matthias Hollwich ist 1971 in München geboren. Er ist Mitbegründer des Architekturbüros HWKN in New York City (USA). Neben seiner Arbeit als Architekt forscht er an der University of Pennsylvania und der Stiftung Bauhaus in Dessau über die Themen Altern, Leben im Alter und Architektur.

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Sendung: hr4, hr4 - Britta am Vormittag, 01.03.2019, 10:00 Uhr

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