Drei Autos auf einem Parkplatz: Das mittlere steht total schief in der Parkbucht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Was ist beim Parken erlaubt?

Darf man einen Parkplatz freihalten? Ist Rechtsüberholen verboten? Gibt's auch Punkte für Radler? Wir räumen mit einigen Mythen rund um den Straßenverkehr auf.

1. Parkplatz freihalten lassen

Es könnte so schön sein: Man entdeckt einen Parkplatz, der Beifahrer steigt aus, hält in frei, während man die nächste Wendemöglichkeit sucht. Doch so schön ist es nicht. Ein Parkplatz darf nicht von einer Person für einen Autofahrer freigehalten werden. Beim Parken gilt: Wer den Parkplatz zuerst gesehen hat, darf ihn nutzen, auch wenn er erst wenden muss. Leider funktioniert das nicht immer.

Wenn eine Person die Lücke freihält, und einen fremden Autofahrer vom Parken versucht abzuhalten, ist das Nötigung!

2. Auf großen Parkplätzen gilt die Regel "rechts vor links"

Dem ist nicht so, zumindest nicht allgemein. Wenn es auf dem Parkplatz klar erkennbare breite Verteilerstraßen gibt, von denen kleinere Parkstraßen abzweigen, dann greift die Regel. Da so eine Situation aber nicht immer eindeutig erkennbar ist, gilt wie auf allen Parkplätzen: absprechen und Rücksichtnahme. Mit Handzeichen oder Lichthupe kann man anderen Verkehrsteilnehmern signalisieren, dass man ihnen die Vorfahrt gewährt. Im Zweifel lieber einmal höflich sein und anderen den Vortritt lassen, als einen Blechschaden riskieren.

3. Radfahrer müssen den Radweg benutzen

Auch das ist ein Mythos. Denn es gilt nur dann, wenn der Radweg durch die bekannten blauen Schilder als solcher markiert und in befahrbarem Zustand ist. Da Fahrräder auch Fahrzeuge sind, dürfen sie auf der Straße fahren.

4. Reißverschlussverfahren heißt frühes Spurwechseln

Das Reißverschlussverfahren ist vielen geläufig, aber die genaue Handhabung unbekannt. Oft führt es sogar zu Ärger. Wenn sich zwei Fahrspuren auf eine verengen, fahren die PKWs der endenden Spur bis zum Ende und fädeln dann dort in den Fluss der befahrbaren Spur. Wie bei den Zähnen eines Reißverschlusses erfolgt das immer abwechselnd.

Schild an einer Baustelle, das das Reißverschlussverfahren erklärt
Das Schild erklärt recht gut, wie einfach das Reißverschlussverfahren funktioniert. Bild © picture-alliance/dpa

Wer zu früh auf die weiterführende Fahrbahn wechselt, sorgt also eher für Stau. Und wer rechts bis zum Ende der sich verengenden Spur fährt, ist nicht unbedingt ein Vordrängler, er nutzt nur den vorhanden Raum optimal. Frühes Spurwechseln ist also nicht sinnvoll für den Verkehrsfluss. Ebenso hemmt ein Verhindern des Einfädelns den Fluss. Gegenseitige Rücksichtnahme ist hier für alle von Vorteil.

5. Es ist verboten, rechts zu überholen

Im Prinzip schon, würde Radio Eriwan antworten. Allerdings gibt es Ausnahmen. Innerhalb geschlossener Ortschaften ist es erlaubt. Auch außerhalb ist es möglich, wenn man in einer geschlossenen Kolone fährt. Es gibt hierfür keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Entsteht allerdings eine Lücke, gilt wieder das Verbot des Rechtsüberholens.

Auf mehrspurigen Autobahnen und Bundesstraßen ist das Schnellerfahren auf der rechten Spur auch erlaubt, wenn man mit maximal 80 km/h fährt und höchstens 20 km/h schneller ist, als das links fahrende Fahrzeug. Diese Werte wurden in Gerichtsurteilen so gesetzt.

6. Auf auf Autobahnen gilt grundsätzlich das Rechtsfahrgebot

Ein ganz klares JAIN! Die StVO sagt zwar, dass "möglichst weit rechts zu fahren ist", aber ... Auf mehrspurigen Autobahnen und Bundesstraßen darf man auch in der Mitte fahren, wenn rechts hin und wieder andere Fahrzeuge unterwegs sind. Mit dieser Ausnahme soll verhindert werden, dass das überholende Fahrzeug immer ein- und ausscheren muss.

In der Praxis ist es aber sehr häufig so, dass die rechte Spur oft sehr frei ist, einige Fahrer sich dafür mit mäßiger Geschwindigkeit auf der mittleren Fahrbahn bewegen und sich links die Fahrzeuge ballen, um an den "Mittelspurschleichern" vorbeizukommen. Wer es also auch auf der Autobahn etwas gemütlicher angeht, sollte die rechte Spur nehmen, und wenn er auf der mittleren unterwegs ist, gelegentlich mal den Blick in den Rückspiegel werfen. Das schont die Nerven aller.

7. Hupe und Lichthupe sind Nötigung

Auf Autobahnen ist es ein häufig zu beobachtendes Schauspiel: Fahrer bestimmter Marken beanspruchen die linke Spur für sich und machen, mit hoher Geschwindigkeit von hinten kommend, mit der Lichthupe auf sich aufmerksam und fordern damit auf, ihnen Platz zu machen. Die langsamer Fahrenden fühlen sich davon oft genötigt. Allerdings sieht die StVO vor, dass außerhalb geschlossener Ortschaften der Überholvorgang "durch Schall- und Leuchtzeichen angezeigt wird".

Dichtauffahrender BMW-Fahrer mit Lichthupe
Penetrantes Lichthupen ist Nötigung. Bild © picture-alliance/dpa

Zur Nötigung kommt es erst, wenn der Schnellere dicht auffährt und penetrant die Lichthupe betätigt. Aber auch hier sollte gelten: Der Klügere gibt nach und lässt den "Rennfahrer" durch. Damit schont man seine Nerven.

8. Auf einer abknickenden Vorfahrtstraße muss man nicht blinken

Von vielen Autofahrerinnen und -fahrern fleißig praktiziert, aber doch falsch! Entscheidend fürs Blinken ist nicht die Straße, auf der man fährt, sondern die Richtung, in die man will. Jede Änderung der Fahrtrichtung muss mit dem Blinker angezeigt werden.

Abknickende Vorfahrtstraße
Wer auf der Vorfahrtstraße unterwegs ist, muss den Blinker setzen. Bild © Imago Images

Wer einer abknickenden Vorfahrtstraße folgt, muss entsprechend dem Verlauf links oder rechts blinken.

9. Wer auffährt hat beim Unfall immer Schuld

Im Prinzip stimmt diese Behauptung schon. In der Regel ist das auffahrende Fahrzeug zu schnell, hat den Sicherheitsabstand nicht eingehalten oder die Fahrerin oder der Fahrer waren unaufmerksam. Kann man allerdings nachweisen, dass die Bremsung des vorderen Fahrzeugs grundlos war, gilt die Aussage nicht mehr. Von Gerichten werden beispielsweise Bremsungen für Kleintiere, z. B. Igel oder Frösche, als grundlos angesehen.

10. Man darf barfuß kein Autofahren

Nein! Es gibt durch die StVO (Straßenverkehrsordnung) keine Einschränkung hinsichtlich des Schuhwerks. Man darf mit Flip-Flops, High Heels, Clogs, Fußballschuhen oder in Socken oder barfuß ein Auto fahren. Kommt es damit allerdings zu einem Unfall, kann der Versicherungsschutz erlöschen und bei Personenschäden auch ein Strafbefehl folgen.

Nicht nur Beifahrerinnen dürfen Flip-Flops im Auto tragen, auch Fahrern ist es erlaubt.
Nicht nur Beifahrerinnen dürfen Flip-Flops im Auto tragen, auch Fahrern ist es erlaubt. Bild © Imago Images

11. Wenn der Parkschein-Automat kaputt ist, kostet es nix

Ganz so einfach ist es - natürlich - nicht. Wenn der nächstliegende Parkschein-Automat defekt ist, muss man den dann nächsten ansteuern und dort sein "Glück" probieren. Ist auch der kaputt, dann darf man mit der Parkscheibe hinter der Frontscheibe parken. Allerdings darf die Höchstparkdauer für den Parkplatz nicht überschritten werden.

12. Bei einem kleinen Unfall auf dem Parkplatz reicht ein Zettel

Wer beim Ausparken auf dem Supermarkt-Parkplatz dem Nebenmann eine Delle ins Auto fährt, kann nicht einfach einen Zettel mit den Kontaktdaten hinterlassen und fahren. Man muss in so einem Fall mindestens 20 Minuten warten und sich ggf. auf die Suche nach der Fahrerin oder dem Fahrer machen. Im Supermarkt kann man ihn beispielsweise ausrufen lassen.

Wenn man in den 20 Minuten den Fahrer nicht finden kann, sollte man die Polizei verständigen. Dabei unbedingt den Namen und die Kontaktdaten des Beamten notieren. Jedes unerlaubte Entfernen vom Unfallort wird als Fahrerflucht bewertet und entsprechend geahndet.

13. Radfahrer können keine Punkte bekommen

Doch, das können sie! Ein Fehlverhalten auf dem Zweirad kann sich negativ auf das Punktekonto bei der Verkehrssünderkartei auswirken. Wer mit dem Rad eine rote Ampel oder einen bereits geschlossenen Bahnübergang überfährt, wird mit einem Punkt "belohnt" und einem Bußgeld. Auch wer "im Fußgängerbereich durch unangepasste Geschwindigkeit einen Fußgänger" gefährdet, erhält einen Punkt und ein Bußgeld.

Ein Apfelwein-Bembel ist an einem Fahrrad befestigt.
Wer sich alkoholisiert aufs Rad schwingt, statt ins Auto zu steigen, bekommt Punkte, wenn er erwischt wird. Bild © picture-alliance/dpa

Wird man volltrunken - für Radler gilt das ab 1,6 Promille, für PKW-Fahrer schon ab 1,1 - erwischt, bekommt man 3 Punkte aufs Konto (§ 316 StGB). Außerdem darf man zur MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung, volkstümlich "Idiotentest") und erhält noch eine Geldstrafe.

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