Zwei Schülerinnen in Spanien wollen sich umarmen und die Lehrerinnen wollen das wegen der Corona-Bestimmungen verhindern

Eine der einschneidendsten Maßnahmen im Kampf gegen Corona ist das Abstandhalten und das Berührungsverbot. Das gegenseitige Berühren ist eine wichtige menschliche Eigenschaft, sagt unser Experte.

Professor Martin Grunwald vom Haptik-Forschungslabor an der Uni Leipzig kennt sich mit Berührungen aus. Er sagt, dass das Berühren eine normale Reaktion ist. Schon als Kleinkind lernen wir von einem normalen Umfeld den Körperkontakt kennen, wenn wir auf den Arm genommen werden oder über den Kopf gestreichelt werden. Auch lernt man früh, die Hand zu geben.

Professor Dr. Martin Grunwald von der Uni Leipzig

Jetzt lässt sich sehr schwer auf dieses Erlernte, Handschlag, Umarmung usw., verzichten. Es ist etwas Grundsätzliches, was für alle Säugetieren wichtig ist: der Körperkontakt zu anderen. Deshalb ist es durchaus normal, wenn sich viele Menschen nach den Corona-Lockerungen jetzt wieder näher kommen, auch eigentlich noch Abstand geboten wäre.

Ein dauerhaftes Verbot von solchen Begegnungsberührungen hält Professor Grunwald nicht durchsetzbar. Die Krise hat ja auch gezeigt, dass getrickst wird. Statt des Handschlags wird die "Getto-Faust" gemacht oder anfangs war der "Wuhan-Shake" eine beliebte Begrüßungsmethode. Unser Experte hat, in ein Betttuch gehüllt, seine Töchter umarmt. Der Drang ist halt einfach da. Auf lange Zeit ist so ein Berührungsverbot nicht aufrecht zu halten.

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zum Video So geht der "Wuhan-Shake"

Wuhan-Shake Dieter Voss und Michael Meyer
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Das Greifen ins Gesicht erfolgt unbewusst

Der Tastsinn ist bei allen Lebewesen auf unserer Erde vorhanden. Auch Pflanzen brauchen Berührungen. Laut Professor Grunwald gäbe es ohne Fühlfähigkeit kein Leben auf unserem Planeten. Allerdings wird einem das im Alltag oft nicht so bewusst. Es läuft oft nebenbei ab. Auch wie das Fassen ins Gesicht.

Ein Corona-Rat besagt ja, sich nicht ins Gesicht zu fassen. Das ist allerdings schwer umzusetzen: Wenn wir 16 Stunden wach sind, greifen wir uns in dieser Zeit 400 bis 800 Mal ins Gesicht! Oft, so Professor Grunwald, merken wir das gar nicht. Wenn man jetzt versucht, solche unkontrollierten Handlungen zu unterdrücken, dann, so unser Experte, steigt der Drang es zu tun sogar noch. Deshalb sein Rat, so wenig wie möglich ins Gesicht fassen. Da das aber sehr schwer möglich ist, sollte man lieber regelmäßig die Hände waschen und den Abstand einhalten.

Sendung: hr4, hr4 - Mein Morgen in Hessen, 30.06.2020, 06:00 Uhr

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