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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ungefragtes Duzen - wie reagiert man?

Nicole Blechinger (l) und Andrea Presser (r) halten am "Du"-Schalter im Haus des Gastes in Oberstaufen (Schwaben) ein Schild mit der Aufschrift "Hier werden Sie geDUzt" (Foto vom 07.07.2011). Touristen die sich hier Tipps einholen wollen können sich mit den Mitarbeitern der Tourist-Information duzen.

Heutzutage ist es immer häufiger üblich, dass man von Fremden mit "Du" angesprochen wird. Das "Du" impliziert eine gewisse Vertrautheit, die aber nicht immer gegeben ist oder die man nicht will. Unser Experte gibt Tipps, wie man damit umgeht.

Im Privaten herrscht in der Regel das "Du" vor, doch immer häufiger wird man in Geschäften oder Restaurants mit "Du" angesprochen. Je nach Atmosphäre lässt man sich auch unabsichtlich Fremden gegenüber zum "Du" hinreißen, auch wenn man das eigentlich nicht will. Wie man mit "Du" und "Sie" richtig umgeht, weiß unser Michael Kugel, Knigge-Experte aus Kassel.

Wenn in Läden oder Restaurants die Gäste geduzt werden, soll das jugendlich und locker wirken und vielleicht eine jüngere Klientel ansprechen. Im Privaten gilt noch immer, dass die ältere bzw. deutlich ältere Person das "Du" anbietet. Beruflich sollte es immer von "oben" kommen, hier bestimmt die Hierarchie, wer mit dem Duzen anfängt.

Duz-Wunsch ohne Zwang aussprechen

Sollte man jemand das "Du" anbieten wollen, sollte man es so tun, dass die andere Person die Möglichkeit hat, es ohne Gesichtsverlust abzulehnen. Bekommt man ein solches Angebot, sich damit aber wohlfühlen, dann heißt es ebenfalls mit Feingefühl vorgehen.

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"Münchner Du"/"Kassiererinnen-Du" ist das Gegenteil des "Hamburger Sie": Man duzt sich, redet sich aber mit dem Nachnamen an.

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Im Job sollte man sich überlegen, welche Folgen eine Ablehnung hätte? Grenzt man sich damit aus? Im Privaten, rät Michael Kugel, könnte vielleicht das helfen: "Ich bin nicht so der Duzer, aber wir können uns gerne mit dem Vornamen anreden." Diese Variante wird auch "Hamburger Sie" genannt.

Man sollte immer berücksichtigen, dass das Gegenüber sich ja etwas bei dem Angebot gedacht und eine Idee hatte. Deshalb respektvoll ablehnen, wenn man diese Nähe nicht mag.

Wenn einem versehentlich mal ein "Du" rausrutscht, kann man sich dafür entschuldigen, ohne das Gesicht zu verlieren, und weiterhin auf der Sie-Ebene bleiben.

Wenn man ehemaliger Lehrerinnen oder Lehrer trifft...

In der Schule war es ja durchaus üblich, dass man als Kind von den Lehrern geduzt wurde, sie aber mit "Sie" angesprochen hat. In der Oberstufe war dann je nach Typ auch das "Sie" Usus. Aber wie geht man damit um, wenn man als erwachsene Person ehemalige Pauker trifft? Hier rät Michael Kugel, alles beim Alten zu belassen: Die Lehrer dürfen einem Duzen, während man selbst beim Sie bleibt. Ausnahme, ist natürlich auch hier wieder das Du-Angebot des Älteren.

Du, Chefin?

Ist es gut, wenn Vorgesetzte sich Duzen lassen? Eine schwierige Frage. Wenn es in die Unternehmenskultur passt, geht es. Aber: Wer in der Hierarchie höher steht, muss mit seinen Mitarbeiter auch schwierige Gespräche führen. Das lässt sich auf mit einem distanzierteren "Sie" leichter, als mit dem vertraulichen "Du".

Es ist vielleicht das Problem der deutschen Sprache. Im Englischen beispielsweise, gibt es die strenge Unterscheidung zwischen "Du" und "Sie" nicht. Das macht es nicht immer so einfach, bietet aber auch wiederum eine Schutzfunktion. Michael Kugel weiß aus der Praxis zu erzählen, dass es Unternehmen gibt, die ihren Einkäufern gegenüber den Kunden das "Du" verbieten, um sie nicht durch das freundschaftliche "Du" beeinflussbarer zu machen. Geschäft ist Geschäft und kein Freundschaftsdienst.

Aber im Grunde gilt: Man sollte es so handhaben, wie man sich wohlfühlt.

Sendung: hr4, hr4 - Mein Morgen in Hessen, 29.10.2019, 06:00 Uhr

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