Zwei Figuren - dargestellt mit aufgemalten Gesichtern auf Fingern mit Weihnachtsmützen - streiten sich
Nicht ausgesprochene Konflikte an Weihnachten können die Beziehung auf Dauer beschädigen. Bild © Colourbox.de

Der Braten schmeckt nicht und das Geschenk geht total daneben - sollte man ehrlich sein, oder lieber zu einer Notlüge greifen? Der Psychologe Werner Gross gibt Tipps für harmonische Weihnachten und sagt, warum man vor allem Dinge ansprechen sollte, die immer wieder hochkommen.

hr4: Wenn das Essen nicht schmeckt oder das Geschenk so gar nicht zu mir passt – sollte man ehrlich sein oder lieber flunkern?

Werner Gross: Es ist der alte Konflikt zwischen Ehrlichkeit und Höflichkeit. Generell gilt: so ehrlich wie möglich ist am gesündesten. Man sollte immer die Wahrheit sagen - aber man muss die Wahrheit nicht immer sagen: Das heißt, es ist ganz gut, auch mal die Klappe zu halten. Wie das in der konkreten Situation aussieht, ist von Familie zu Familie sehr unterschiedlich.

hr4: Gibt es Taktiken, die Wahrheit diplomatisch auszudrücken?

Werner Gross: Ehrlichkeit heißt ja nicht, es offen, direkt und brutal zu sagen. Gut ist es, immer von sich zu reden, nicht zu sagen ‚du hast‘ und keine Vorwürfe zu machen. Es gibt einen alten schönen Satz, der heißt 'Lobe laut und kritisiere leise'. Das heißt im Grunde, die Sachen niedrig zu hängen und keinen Skandal daraus zu machen. Manche Sachen kann man durch die Blume sagen und über manche Dinge ist es gut, ganz zu schweigen.

Vielleicht gelingt es ja auch, etwas Positives zu finden. Zum Beispiel: 'Danke dass du dir so viel Mühe gemacht hast'. Das ist eine Rückmeldung, die inhaltlich nicht gelogen ist.  Es geht häufig gar nicht so sehr um die Sache, sondern um das Gefühl was übertragen wird.

hr4: Was passiert wenn ich in dem Zusammenhang tatsächlich wirklich glatt gelogen habe?

Werner Gross: Man kann generell sagen: wenn Sachen nicht ausgesprochen werden, dann kann das zu Altlasten, im schlimmsten Fall zu Leichen im Keller führen, die dann irgendwann vor sich hin müffeln. Manche Sachen erledigen sich mit der Zeit, manche Sachen kann man aussitzen aber unter psychohygienischen Gesichtspunkt kann man sagen wenn's nervt und immer wieder hochkommt, dann lohnt es das anzusprechen.

hr4: Wie soll ich mich als Schenkender oder als Koch verhalten, wenn ich merke: das kommt bei der Familie gar nicht so gut an, was ich da aufgeboten habe?

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Unser Experte

Psychologe Werner Gross
Offenbach

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Werner Gross: Es  gibt zwei Strategien: die eine wäre, darüber weggehen und es nicht ansprechen. Die zweite wäre - wenn ich mich stabil genug fühle, dann ist es gut das anzusprechen, aber auch da von sich zu reden. Wichtig dabei ist, dass man kein Tribunal veranstaltet und insistierend nachfragt. Also so nach dem Motto 'beleidigte Leberwurst, ich habe mir solche Mühe gegeben und ihr seid so undankbar'. Das ist etwas, was nicht gut ist.

Sendung: hr4, hr4 am Nachmittag, 21.12.2018, 14:00 Uhr

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