Hollerhof

Ein Alpaka macht Hausbesuche, ein Huhn spielt Klavier und die Hunde leisten Bewohnern Gesellschaft im Bett. Klingt verrückt? Ist es aber nicht: Pädagogin Kristina Heilmann besucht mit ihren Tieren Demenzkranke und bringt so das Glück mit Fell, Federn und vier Beinen in den Heimalltag.

Ein Gänsepaar kündigt jeden Besuch auf dem Hollerhof mit lautem Geschnatter an. Wer auch immer einen Schritt auf den gepflasterten Hof setzt, wird von drei Hunden umringt. Bobbi, Karla und Ronja inspizieren den Duft der Neuankömmlinge, erst dann darf man eintreten und Frauchen Kristina Heilmann einen Besuch abstatten. Die Pädagogin hat nach zehn Berufsjahren in der Behindertenbetreuung eine Zusatzausbildung in "Tiergestützter Intervention" gemacht. Neben ihrem Beruf hat sie begleitend mehr und mehr mit ihren Tieren gearbeitet. 2017 hat sie den Schritt in die Selbständigkeit gewagt und sich damit einen Traum erfüllt.

Tiere auf dem Hollerhof

Entstanden ist der Hollerhof - ein Begegnungshof für Menschen und Tiere in Felsberg. Kristina Heilmann folgt bei ihrer Arbeit dem Gedanken von Cicley Saunders, einer der Gründerinnen der Hospizbewegung: "Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben".

Tierischer Besuch für Demenzkranke

Die meiste Zeit ist Kristina Heilmanns mittlerweile unterwegs. Ihr Schwerpunkt liegt auf dem tierischen Besuch in Altenheimen, vor allem bei Demenzkranken. Insgesamt 30 Heime in Kassel und Umgebung besucht die Pädagogin mit ihren Tieren, täglich stehen jeweils zwei Stunden in zwei Heimen im Terminkalender. Volles Programm für Bobbi, Karla, Ronja und ihre tierischen Mitbewohner. Kristina Heilmann hält sich bei den Besuchen eher im Hintergrund. Sie moderiert und schaut, dass es den Tieren gut geht.

Tiere helfen Demenzkranken

Vor allem bei Demenzkranken setzt man zunehmend auf Tierbesuche, denn die Fähigkeit, zu sprechen, geht als erstes verloren. Tiere erreichen bei diesen Menschen eine Ebene, die das Betreuungspersonal schlecht oder gar nicht erreichen kann. Die Tiere sind allerdings kein Ersatz für Ärzte oder Therapeuten - sie schaffen aber winzige Momente des Glücks. Oft reicht schon die bloße Anwesenheit der Tiere und Patienten fangen wieder an zu sprechen, zu lächeln, ihre erstarrte Mimik löst sich. Das Streicheln und Füttern der Tiere steht bei jedem Besuch im Mittelpunkt. Für Kristina Heilmann ist vor allem das Füttern wichtig: "Man merkt, sie können dann auch mal was geben. Das gibt ein bisschen die Persönlichkeit zurück".

Ein Huhn spielt Klavier

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Das Entertainment übernimmt Heilmanns Lieblingshuhn Miss Marple. Sie kann auf einem Plastikpiano für Kinder spielen. Begeistert hackt sie mit ihrem Schnabel auf die Tasten und erzeugt so eine Melodie. Ein Huhn im Altersheim? Das klingt mehr als ungewöhnlich. Für die Pädagogin aber absolut schlüssig: "Hühner sind völlig unterschätzte Tiere", sagt Miss Marples Besitzerin, "es gibt unendlich viele Geschichten von Menschen mit Lieblingshuhn". Und so gibt es für Miss Marple nach jeder Klaviereinlage ein Stück Käse als Belohnung.

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Gockel Sultan und die feine Hutmacherin

Im Heim lebte es eine ältere Dame, eine ehemalige Hutmacherin. Sie war sehr 'etepetete'. Ihr Blick, als Hühner und Meerschweinchen auf dem Tisch saßen – furchtbar. Sie konnte sich nicht äußern, aber man hat ihr angesehen, dass sie das missbilligt. Sultan, ein weißer Seidenhahn hatte sich genau in diese Dame verliebt. Ständig stolzierte er zu ihr, zeigte Balzverhalten, brachte ihr Leckerbissen. Wir haben alles von ihr weggeräumt, damit er sie nicht mehr belästigt, aber er ist bei jedem Besuch immer wieder zu ihr hingegangen. Im Hühnersitz hat er es sich vor ihr bequem gemacht - über Wochen. Irgendwann hat sie sich zu ihm hinunter gebeugt und hat mit ihm gewispert - er hat geantwortet und so haben sich die beiden miteinander unterhalten. Sultan hat immer alle anderen Tiere von ihr verscheucht und hat bei jedem Besuch glücklich mit seiner Hutmacherin zusammen gesessen.

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Ein Alpaka im Fahrstuhl

Aber nicht nur Hühner, Meerschweinchen und die drei Hunde unterstützen Kristina Heilmann bei ihrer Arbeit. Auch Alpaka-Dame Zapaya reist von Heim zu Heim. Dort angekommen macht sie "Hausbesuche".

Tiere helfen Demenzkranken

Die kamelartigen Tiere aus den südamerikanischen Anden sind eigentlich Fluchttiere, anders Zapaya. Sie ist unglaublich cool und lässt sich anfassen, kann Fahrstuhl fahren und besucht so bettlägerige Heimbewohner auf ihrem Zimmer.

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Platz machen für Lotte

Ein älterer Mann und Hündin Lotte hatten schnell Freundschaft geschlossen. Lotte war Kristina Heilmanns erster Hund - "ein 'Schaf von einem Hund' - riesengroß und wuschelig. Bei jedem Besuch durfte sie bei ihm im Bett liegen. Wenn der Mann wusste, dass Lotte kommt, hat er morgens angefangen, in seinem Bett zur Seite zu rücken. Immer ein bisschen. Um Platz für sie zu machen. "Wenn die Lotte da ist, dann habe ich keine Schmerzen", hat er immer gesagt.

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Die Finanzierung

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Kontakt

Hollerhof-Team
Leben und Lernen mit Tieren
Zum Ederfeld 4
34587 Felsberg
Internet: hollerhof-team.de

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Finanziert werden diese Besuche von den Altenheimen selbst. Viele Heimleitungen haben erkannt, wie hilfreich und bereichernd die tierischen Visiten sind. Und auch das Klima innerhalb des Pflegepersonals verbessert sich. Die meisten lieben Tiere und freuen sich, wenn Kristina Heilmann kommt. So erleben Betreuerinnen und Betreuer - und auch die Angehörigen - die Senioren von einer anderen Seite, nicht nörgelnd und schlechtlaunig, sondern lachend.

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Tiergestützte Intervention

Tiere haben eine positive Wirkung. Der Begriff "Tiergestützte Intervention“ steht für alle therapeutischen Angebote, in denen geeignete Tiere eingesetzt werden. Mit Hilfe der Tiere sollen die physischen, sozialen, emotionalen und kognitiven Fähigkeiten gefördert werden. Außerdem sollen sie mit ihren Besuchen Freude und Lebensqualität bringen. Der Bundesverband Tierische Intervention e.V. (BTI) schreibt dazu: "Die tierischen 'Mitarbeiter' wirken dabei als Türöffner, Bindeglied und Motivator."

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Tiergestützte Therapie in Hessen

"Die Tierbrücke" in Weilrod
Weilnauerstraße 7
61276 Weilrod
E-Mail: kontakt@dietierbruecke.de
Internet: tierbruecke.jimdo.com
Tiere: Esel, Pferde, Hunde, Ziegen, Kaninchen, Schafe
Angebote: Kontakt und Umgang mit Tieren, Tierbegegnungstage, Laufgruppen mit Tieren, Eselwandern, therapiebegleitende Angebote, tagesstrukturiertes Angebot im tiergestützten Bereich

"Freunde mit 4 Beinen" in Ludwigsau
Biedebacher Straße 17
36251 Ludwigsau
Telefon: 06621 72223
E-Mail: katrin.hott@freunde-mit-4-beinen.de
Internet: freunde-mit-4-beinen.de
Tiere: Hunde
Angebote: Planung und Durchführung tiergestützter Aktionen und Projekte in sozialen Einrichtungen (Kindergärten, Altenheime) und Schulen, Vorträge, Informationsveranstaltungen, Elternabende und Fortbildungen zur tiergestützten Pädagogik für Interessierte und Fachkräfte, pädagogische Einzelförderung durch individuelle tiergestützte Begleitung, Unterstützung und Hilfe beim Umgang mit der Angst vor Hunden, Beratung und Begleitung von sozialen Einrichtungen, Schulen und Privatpersonen bei der Umsetzung tiergestützter Angebote (z.B. Tierwahl, Haltungsbedingungen)

Christine Heimann – Tiergestützte Therapie
Mühle Wohra
35288 Wohratal
Telefon: 06453 645224
E-Mail: info@heimann-und-helfer.de
Internet: heimann-und-helfer.de
Tiere: Hund, Gänse, Kater, Esel, Kaninchen
Angebote: Ambulante tiergestützte Psychotherapie für Kinder und Jugendliche unter Einbeziehung von Eseln, Hund, Katze, Gänsen und Kaninchen, Kurzzeittherapie für Familien mit verhaltensauffälligen/behinderten Kindern, Krisenintervention, Gruppentherapeutische Angebote, Supervision für Jugendhilfeeinrichtungen, Auszeitangebot für Betreuer mit Bezugskind aus Jugendhilfeeinrichtungen

socias in Biedenkopf-Kleingladenbach
Fritz-Henkel-Str. 3
35216 Biedenkopf
Telefon: 06461 9895522
E-Mail: info@socias.de
Internet: socias.de/tt/tiergestuetzt.php
Tiere: Hund, Pferde, Meerschweinchen, Kaninchen
Angebote: Tiergestützte Therapie für Institutionen wie Schulen, Kindergärten, Alten- oder Pflegeinrichtungen und Organisationen für Menschen mit Behinderungen, tiergestützte Intervention für Privatpersonen. In Planung ist auch ein mobiler Besuchsdienst

(Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.)

Sendung: hr4, hr4 - Britta am Vormittag, 03.07.2020, 10:00 Uhr

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