Nachhaltige Mode aus Kassel
Aus alter Bettwäsche zaubern zwei Kasseler Schneiderinnen Unterhosen, Taschen für T-Shirts und vieles mehr. Bild © SOKI

Unterhosen aus Bettwäsche - damit fing alles an. Kira Kimm und Sophie Roscher haben vor drei Jahren ein eigenes grünes Modelabel gegründet. Ihr Anspruch: Das Handwerk der Schneiderei ganz im Sinne der Nachhaltigkeit umzusetzen.

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Bummelt man die Kasseler Friedrich-Ebert-Straße vom Bebelplatz in Richtung Innenstadt, kommt man an der holzverkleideten SOKI-Ladenfront vorbei. Im Schaufenster: Naturseifen, eine alte Nähmaschine, bunte Kinderkleidung und Boxershorts aus Bettwäsche. SO und KI - der Name von Laden und Label setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der beiden Eigentümerinnen zusammen. 2015 haben Sophie Roscher und Kira Kimm gemeinsam ihr grünes Modelabel gegründet.

Durch Upcycling entsteht aus Altem Neues

Wie kommen sie auf Mode aus Bettwäsche? Das habe Tradition, sagt Kira Kimm: "Alte Stoffe wurden schon immer verwendet, um neue Schnitte auszuprobieren". Eine selbst genähte Boxershorts aus Bio-Baumwolle wäre zu teuer geworden - die Idee für die Unterhose aus Bettwäsche geboren: "Durch die Methode des Upcyclings verleihen wir der alten Bettwäsche einen neuen Zweck - und somit ist jedes Teil ein Unikat".

Nachhaltige Mode aus Kassel
Kira Kimm und Sophie Roscher sind SOKI Bild © SOKI

Aus einem Bettbezug entstehen bis zu sechs bunte Buxen. 30 Minuten braucht die Schneiderin an der Nähmaschine, dann ist eine Unterhose fertig und wird im Laden für gut 20 Euro verkauft - mittlerweile sind die Boxershorts zum absoluten Bestseller geworden. Zu recht, sagt Kira Kimm: "Bettwäsche hat oft coole Muster und ist nachhaltig, weil eine vorhandene Ressource noch einmal genutzt wird." Claudia Brück von Fairtrade Deutschland e.V., einer unabhängigen Initiative zur Förderung des fairen Handels, kann die Aussage von Kira Kimm bestätigen. Mode aus benutzten Stoffen sei auf jeden Fall ressourcenschonend, da der Rohstoff wieder verwertet werde: "Ob er in jedem Fall nachhaltiger ist als Bio-Baumwolle, da kommt es dann wirklich auf die Verfahren an, die angewendet werden."

Unzählige Stoffspenden für bunte Buxen

Woher nehmen sie die ganzen alten Stoffe? Zuerst mussten Familien und Freunde ihre Schränke plündern, zum Start des Ladens wurden alle Gäste gebeten, bei einer Eröffnungs-Party Bettwäsche zu spenden. "Da ist schon viel zusammen gekommen", erzählt Kimm, "aber auch heute kommen noch Menschen in den Laden und schenken uns ihre alte Bettwäsche".

Weitere Informationen

So können Sie Bettwäsche spenden

Die alten Stoffe können im Laden abgegeben werden. Sophie Roscher und Kira Kimm suchen vor allem besondere, bunte Muster.
SOKI
Friedrich-Ebert-Straße 101
34119 Kassel
Telefon: 0561 50348873

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Nach und nach sind zu den bunten Boxershorts, Hemden und Mützen Schlafanzughosen, Stirnbänder, T-Shirts, Pullover und Blousons dazugekommen. Längst schaffen die beiden gelernten Maßschneiderinnen es nicht mehr, ihre komplette Kollektion selbst zu nähen, erklärt Kira Kimm: "Ein Teil wird mittlerweile von den tapferen Schneiderlein der Baunataler Diakonie Kassel, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, genäht".

Nachhaltige Mode aus Kassel
Freunde machen Werbung für die bunten Boxershorts - und spazieren fürs Foto leichtbekleidet auf der Kasseler Friedrich-Ebert-Straße. Bild © SOKI

Von Portugal nach Hessen

Die neue Winterkollektion entsteht sogar fernab der hessischen Heimat - in Portugal. Hier haben Kimm und Roscher durch ihre Kontakte in der grünen Modeszene eine kleine Schneiderei gefunden, die für sie die Kleidungsstücke näht. Und da die Stoffe ebenfalls aus Portugal stammen, sind die Transportwege dieselben geblieben. Warum ausgerechnet Portugal? Weil wir uns selbst treu bleiben wollen, sagt Kira Kimm: "Portugal ist bei fairen Labels beliebt. Dort ist alles sehr transparent gestaltet. Der Kunde soll erfahren, wo und unter welchen Bedingungen seine Kleidung produziert wird." Ein Land, das sich auf FaireTrade-Kleidung spezialisiert habe, kennt Claudia Brück nicht. Allerdings habe die Verlagerung der Produktion nach Europa für Bekleidungsfirmen einen entscheidenden Vorteil. Es schütze die Label davor, "Ware aus den wirklich ausbeuterischen Bedingungen in Asien zu beziehen. Der normale Standard in Europa ist eindeutig besser.“

Nachhaltige Mode aus Kassel
Nähen ist für Kira Kimm und Sophie Roscher eine Herzensangelegenheit. Bild © SOKI

Trend zum nachhaltigem Lebensstil

Ob Hessen oder Portugal - die Kleidung der beiden SOKI-Frauen ist vor allem mit viel Liebe genäht. In ihrem Laden in Kassel findet man übrigens nicht nur eigene Kreationen, sondern auch eine bunte Mischung anderer nachhaltiger Produkte. In letzter Zeit finden auch verstärkt junge Mädchen den Weg in den Laden. "Nachhaltiger Lebensstil ist in - gerade durch Instagram erfahren faire Produkte einen Aufwind", erzählt Kira Kimm. Auch sie möchte jüngere Kunden für einen bewussteren Lebensstil gewinnen. Da passt es, dass in letzter Zeit auch Schulklassen den Laden besuchen, um sich über das Thema Nachhaltigkeit zu informieren.

Bewusst verzichten, aber auch bewusst kaufen

Für Kimm gehört auch die Sensibilisierung für den Modemarkt dazu. Viele große Modeketten werfen immer schneller ihre Kollektionen auf den Markt, zum Teil tauchen alle zwei Wochen neue Kleidungsstücke in den Läden auf. Ist es verwerflich, solche schnell produzierte und wenig nachhaltige 'fast fashion' zu kaufen? Kira Kimm plädiert für eine bewusste Kaufentscheidung: "Will ich ein Teil haben, auch wenn es ökologisch und menschlich Mist ist?" Wer sich das bewusst mache, der verzichte vielleicht auf das eine oder andere Kleidungsstück - und tue auch so etwas für die Umwelt.

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Sendung: hr4, hr4 am Morgen, 01.09.2018, 06:00 Uhr

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