Mineralwasserflaschen auf dem Band

Deutschland hat sich mal das Ziel gesetzt, eine Mehrwegquote von 70 Prozent zu erreichen. Danach sieht es aber gar nicht aus. Dabei haben Getränke in Mehrwegflaschen aus der Region die beste Ökobilanz.

Zwar gibt es inzwischen auf viele Flaschen Pfand, doch nicht alle sind wirklich Mehrweggebinde. Mehrweg sind in der Regel alle Flaschen in Kästen, beispielsweise Wasser oder Bier. Zum Einsatz kommen Behältnisse aus Glas und aus Plastik. Beide Sorten werden meistens mehrfach verwendet. Pfand gibt es aber auch auf Einwegflaschen und Dosen mit dem Recycling-Symbol. Sie werden auch in Kästen angeboten, beispielsweise von ausländischen Mineralwasser-Marken.

Pfandzeichen auf Einwegflaschen und -dosen

Für Behälter mit diesem Symbol gibt es bei der Rückgabe 25 Cent Pfand. Die Flaschen und Dosen werden, wie man auch an den Automaten hören kann, "plattgemacht", zu Ballen gepresst und dann recycelt. Doch nur aus rund 33 Prozent wird wieder eine neue Getränkeflasche.

Bei Mehrwegflaschen gibt es 8 (Bierflaschen ohne Bügel) und 15 Cent (restliche Typen) Pfand pro Stück. Allerdings werden auch weiterhin Getränke in Flaschen OHNE Pfand angeboten: beispielsweise Fruchtsäfte, Molkereiprodukte, Wein oder alkoholische Getränke. Dabei ist es egal, ob sie aus Glas oder Kunststoff sind.

Mehrweg umweltfreundlicher

Man kann ganz klar sagen: Mehrwegflaschen, vor allem wenn die Getränke aus der Region kommen, sind die umweltfreundlichste Lösung. Glasflaschen können bis zu 50 Mal gereinigt und wieder befüllt werden. Bei Kunststoff liegt der Durchlauf bei der Hälfte, rund 25 Wiederverwendungen. Laut einer Studie der Deutschen Umwelthilfe aus dem Jahr 2011 können Mehrwegflaschen bis zu 600 Kilometer transportiert werden, um noch eine bessere Umweltbilanz als Einwegbehälter zu haben.

Allerdings gibt es auch hier wieder Unterschiede, wenn Hersteller von Normen abweichen und eigene Flaschenformen einsetzen. Für die Werbung mag das von Vorteil sein, für die Umwelt nicht. Es führt wieder zu längeren Transportwegen der leeren Gebinde und senkt die Umweltbilanz. Die bekannte "Normbrunnenflasche" mit dem Perlenhals für Mineralwasser ist ein gutes Beispiel für eine Mehrwegflasche, die von vielen Abfüllern verwendet wird und somit kurze Transportwege hat und am Ende ihrer Lebensdauer recycelt wird.

Einweg-PET-Flaschen auf dem Vormarsch

Aus Polyethylenterephthalat, das aus Erdöl, aber auch aus Zuckerrohr gewonnen werden kann, werden die meisten Kunststoffflaschen - Mehr- wie Einweg - hergestellt. Von den Einwegflaschen werden aber nur rund 30 Prozent wieder zu Getränkebehältern recycelt. Trotzdem steigt ihre Zahl. Hatte die Bundesregierung einst das Ziel bis zu 80 Prozent Mehrwegflaschen im Umlauf zu haben, sind es nach den aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2015 nur 42 Prozent! Seit 2019 werden 70 Prozent angestrebt.

Säcke mit leeren Einwegflaschen

Nach Berechnungen des Öko-Instituts würde eine Quote von 80 Prozent Mehrweg dazu führen, dass jährlich 400.000 Kunststoffmüll und 1.500.000 Tonnen CO2 eingespart werden könnten. Unterstützt wird das Einweg-System unfreiwillig auch durch die Kunden, mit dem sogenannten Pfandschlupf.

Einweg-Gebinde mit Pfandschlupf subventioniert

Der Pfandschlupf entsteht, wenn Kunden Einwegflaschen nicht zurückgeben und sich so den Pfand entgehen lassen. Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes gehen etwa 4 Prozent der Flaschen nicht zurück. Für das Jahr 2015 ergaben sich daraus 180 Millionen Euro Pfand, die nicht ausgezahlt wurden! Davon profitieren Hersteller und Händler, aber nicht die Umwelt.

Wer der Umwelt wirklich etwas Gutes tun will, kauft regionale Getränke in Mehrwegflaschen aus Glas. Eine Ausnahme bildet aber der Getränkekarton, in denen beispielsweise Milch und Säfte verkauft werden. Sie bestehen teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen und haben eine hohe Wiederwertungsquote. Außerdem wirkt sich auch das geringe Gewicht positiv auf die Ökobilanz aus, die ähnlich der Glasflaschen ist.

Sendung: hr4, hr4 - Britta am Vormittag, 01.07.2020, 10:00 Uhr

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