Ein Spatz fliegt in einem Garten
Vögel lassen sich durch spiegelnde Scheiben irritieren und fliegen häufig mit voller Wucht dagegen. Bild © dpa/blickwinkel

Ein großer Knall - ein Vogel ist gegen die Scheibe geflogen. Wir haben Tipps, wie Sie Ihre gefiederten Gäste vor dem Tod am Fenster schützen und wie Sie einem verletzten Vogel im Ernstfall Erste Hilfe leisten können.

Diese drei Faktoren machen eine Glasscheibe zur Vogelgefahr

  • Transparenz: Wird ein freier Flugweg blockiert, können die Vögel das nicht erkennen. Beispiele: Verglasung über Eck, zweites Fenster auf der Rückwand, Bushaltestellen, Lärmschutzwände
  • Spiegelung: Bäume und Sträucher spiegeln sich in Glasfronten. Der Vogel kann zwischen Spiegelung und echter Natur nicht unterscheiden und fliegt einfach weiter.
  • Beleuchtung: Licht zieht Vögel magisch an. Die Scheiben können sie im beleuchteten Fenster nicht erkennen.

In vielen Fenstern spiegelt sich die Landschaft, ein grüner Baum oder ein Busch - für Vögel ist das immer wieder eine Falle. Sie  können die Glasscheiben nicht erkennen, sagt NABU-Experte Berthold Langenhorst. Die Scheiben täuschen eine freie Flugbahn vor, die Vögel versuchen, reinzufliegen und prallen mit voller Wucht gegen das Glas. Die meisten sterben dann an Genickbruch oder inneren Verletzungen.

Weitere Informationen

Broschüre zum Runterladen

Hier finden Sie eine Broschüre der Schweizerischen Vogelwarte zum Thema "Vogeltod an Glasflächen".

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Übrigens: Wer selbst schon einmal gegen eine Glastür gelaufen ist, weiß wie weh das tut. Vögel krachen mit 30 bis 60 Stundenkilometern gegen das Glas - kein Wunder, dass die Kollisionen meist tödlich enden. Laut Bayerischem Landesamt für Umwelt sterben pro Jahr Millionen von Vögeln an Glasscheiben, zur Brutzeit verhungert zusätzlich der verwaiste Nachwuchs im Nest. Vor allem Singvögel sterben nach einem Flug gegen die Scheibe, da sie mit dem Schnabel aufprallen. Eulenvögel erholen sich meist, da sie mit der Stirn auftreffen.

So können Sie einem verunglückten Vogel helfen

Ist der Vogel benommen, das Gesicht leicht mit lauwarmem Wasser besprühen. Bleibt der Vogel liegen, können Sie ihn vorsichtig in eine Schachtel setzen. So kann er sich geschützt vom Aufprall erholen. Nach ein bis zwei Stunden versuchen Sie den Vogel ins Freie zu lassen. Übrigens: Nach dem Aufprall hinterlassen einige Vögel regelrechte Abdrücke auf dem Glas. Sie stammen von den sogenannten Puderdunen. Diese speziellen Federn produzieren einen feinen Staub als Schutzschicht.

Der Abdruck eines Vogels auf der Fensterscheibe
Der Abdruck eines Vogels auf einer Fensterscheibe. Bild © picture alliance/Daniel Karmann/dpa

Schützen Sie Vögel vor der Kollision mit Glasscheiben

  • Fenster seltener putzen: Das ist die günstigste Lösung, um Vögel zu schützen. Staub und Pollen machen die Scheiben matt und verhindern, dass sich Bäume o.ä. darin spiegeln.
  • Spezialfarbstifte: Sind für Menschen unsichtbar. Ein Streifenmuster muss auf der Scheibe aufgebracht werden. Diese Methode eignet sich eher für kleine Fenster.
  • Klebende Folien: Sind für Menschen unsichtbar, müssen dicht geklebt werden, damit sie die Vögel abschrecken. Es gibt bisher keine Tests, ob diese Folien wirkungsvoll sind.
  • Muster: Streifen, Punkte, Raster sind wirksam, dürfen aber nicht in zu großen Abständen aufgebracht werden. Was auch funktioniert sind Fensterfarben-Kunstwerke von Kindern und Enkeln.
  • Vorhänge und Jalousien: Vor allem außen erzielt man mit Jalousien eine gute Wirkung, im Innenbereich verhindern Vorhänge besonders die Durchsicht.
  • Sträucher und Bäume direkt vor dem Fenster: So prallen die Vögel mit geringerer Geschwindigkeit auf die Scheiben.

Kleine Anhänger vor dem Fenster sollten sehr dicht hängen. So erkennen Vögel, dass sie nicht durchfliegen können.

Zitat
„Alles hilft, was deutlich macht: Hier ist eine Fläche, wo ich nicht durchfliegen kann.“ Zitat von Berthold Langenhorst, NABU
Zitat Ende

Sie können aber auch mehr Kontraste schaffen: Vögel erkennen kontrastreiche Markierungen am besten, also helle vor dunklem Hintergrund und umgekehrt. Dabei wird die Farbe Orange besonders gut wahrgenommen.

Ein Vogel liegt tot vor einem Fenster
Wer seine Fenster selten putzt, hilft den Vögeln: die Scheiben spiegeln dann weniger. Bild © dpa/blickwinkel

Völlig wirkungslos: schwarze Aufkleber mit Wildvogel-Silhouette

Der beliebte schwarze Aufkleber hat keine Wirkung, denn Vögel erkennen die Greifvogel-Silhouette nicht und fliegen einfach daneben gegen die Scheibe.

Weitere Informationen

Unser Experte

Dr. Berthold Langenhorst, NABU Hessen

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Wer wirklich mit Hilfe von Aufklebern etwas für die Vögel tun möchte, der sollte sie unbedingt von außen an der Scheibe anbringen. Für einen vollständigen Schutz sollten die Aufkleber gut verteilt sein und etwa 25 Prozent der Scheibe abdecken. Besonders gut funktionieren senkrechte Streifen im Abstand von zehn Zentimetern oder ein Muster aus Punkten.

Sendung: hr4, hr4 - Mein Morgen in Hessen, 29.08.2018, 06:00 Uhr

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