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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frank Überall (DJV) über sichere Quellen gegen Fakenews

"Polnischer Wodka tötet Corona-Virus - 'Impfung' hier" - damit warb eine Kneipe in Krakau.

Wer sich in sozialen Netzwerken tummelt, ist erstaunt über so manche Meldung, die dort verbreitet wird: Absurde Verschwörungstheorien, angebliche Wundermittel aber auch angeblich sichere Fakten werden gepostet und fleißig geteilt. Tipps, wie man Unsinn von echten Fakten unterscheiden kann, gibt unser Experte.

Wenn man die sozialen Netzwerke durchforstet, können einem manchmal echt die Haare zu Berge stehen, was dort alles verbreitet wird. Einiges lässt sich recht schnell als dummes Zeug entlarven, aber es gibt auch Infos, die seriös daherkommen und massenhaft geteilt werden.

Für unseren Experten Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), sind vor allem Tipps mit seltsamen Heilmitteln gegen Corona bedenklich. Als US-Präsident Donald Trump, angeblich sarkastisch gemeint, riet, sich Desinfektionsmittel gegen Covid-19 zu spritzen, stieg das Anrufaufkommen beim Giftnotruf. Viele lachen über den Unsinn, aber es gibt genug, die solche Aussagen glauben, wie man sieht.

Quellen überprüfen

Wenn man aus der Familie oder von Freunden und Bekannten Meldungen geteilt bekommt, die einem zweifelhaft vorkommen, sollte man die Quellen checken. Wo lässt sich das im Internet (noch) finden? Wer hat vielleicht vom wem abgeschrieben? Über was berichten solche Portale noch? Wie sieht es mit der Glaubwürdigkeit bei anderen Themen aus? Wie reißerisch wird berichtet? Und ganz wichtig: Verfügt die Internetseite über ein seriöses Impressum?

Gerade bei Verschwörungstheorien ist es hilfreich, die Thesen zu überprüfen, wie schlüssig sie sind. Und natürlich hilft es auch, nach weiteren Quellen zu suchen. Wie berichten beispielsweise bekannte Nachrichtenportale darüber? Oder stammen die Thesen nur aus einer gewissen Ecke, in der eh alles als Verschwörung angesehen wird?

Spiegelt sich die aktuelle Entwicklung wieder?

Im Prinzip sollte man auf die bekannten journalistischen Marken vertrauen. Dort, wo professionell recherchiert wird, kann man sich darauf verlassen, dass aktuell das Richtige geschrieben wird. Aber natürlich schreitet die Entwicklung weiter. Was heute gilt, kann morgen aufgrund von neuen Erkenntnissen schon wieder überholt sein.

Beim Thema Maskenpflicht werden gerne Artikel gepostet, die einige Tage alt sind und Schutzmasken noch als überflüssig erachten. Damit stützen Maskengegner ihre Thesen, verkennen aber, dass neue Erkenntnisse den Sachverhalt geändert haben. Das ist der Nachteil, dass das Internet viele Dinge nicht vergisst. Hier sollte man seriösen Journalistinnen und Journalisten vertrauen, die an solchen Entwicklungen dran bleiben und entsprechend berichten und Veränderungen aufzeigen.

Kritische Fragen werden unterdrückt

Die aktuellen Maßnahmen, der Lockdown, werfen natürlich Fragen nach den Grundrechten auf, das ist völlig normal. Frank Überall findet, dass sie auch diskutiert werden müssen. Es sollte aber nicht nur in die Richtung gehen, dass der Staat den Bürgerinnen und Bürgern alles vorschreiben will. Solche Thesen - der Staat knechtet uns - werden gerne aus der extremistischen Ecke gepostet.

Dabei sollte man aber eines klar bedenken: Die Politikerinnen und Politiker sind demokratisch gewählt. Eine Mehrheit vertraut ihnen. Aber natürlich sind sie auch nur Menschen. Obwohl sie sich von Expertinnen und Experten beraten lassen, müssen sie am Ende alles abwägen und eine Entscheidung treffen, die sie gerade als richtig erachten. Und wie es jedem passiert: Eine solche Entscheidung kann auch mal falsch sein. Dann darf und muss man darüber diskutieren, aber auf dem Boden der Fakten, betont Frank Überall.

Mit Menschen, die nur in eine Richtung argumentieren, die nur IHRE Wahrheit gelten lassen, ist das allerdings ein schwieriges Unterfangen. Und wer die bekannten Medienmarken als "Lügenpresse" einstuft, wird ihnen auch keinen Glauben schenken. Es bleibt zu hoffen, dass solche Filterblasen irgendwann platzen. Vielleicht muss man seinem Umfeld einfach mal klar sagen, dann man an Halbwahrheiten und Verschwörungstheorien kein Interesse hat und sich solche Posts in der Timeline nicht mehr anzeigen lässt.

Sendung: hr4, hr4 - Britta am Vormittag, 28.04.2020, 10:00 Uhr

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