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Junge Frau zeigt mit dem rechten Zeigefinger auf die Zähne in ihren leicht geöffneten Mund

Die Zähne mehrmals täglich zu putzen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Doch es gibt noch andere Dinge, auf die man bei der Mundhygiene achten sollte. Außerdem können Veränderungen im Mund- und Rachenbereich auch auf andere Krankheiten hin deuten. Unser Experte Hubertus von Treuenfels klärt auf.

Unser Experte Dr. med. dent. Hubertus von Treuenfels ist Zahnarzt (mit Schwerpunkt Naturheilwesen) und Kieferorthopäde aus Eutin. Er hat fünf Themen zusammengestellt, die für die Mundhygiene wichtig sind.

1. Tipps zur Mundhygiene

Ganz allgemein: Motto, das Richtige richtig essen erleichtert uns die Pflege hinterher. Bekanntlich heißt es: Gut gekaut ist halb verdaut. Gesundes Kauen bedeutet aber auch gleichzeitig gute Selbstreinigung. Das erleben wir z.B. besonderes bei rohen Lebensmitteln wie Obst, Salaten und Gemüse. So führt das gründliche Kauen einer Möhre zu verstärkter Speichelbildung, die wiederum reinigend auf Zähne und Zunge wirkt. Gleichzeitig werden schädliche Bakterien abgewehrt und gefährliche Säuren neutralisiert (abgepuffert).

Aber, je weicher, klebriger die Nahrung, je mehr Kohlehydrate und Zucker, desto wichtiger werden Mund- und Zahnpflege. Den bakteriellen Übeltätern entziehen wir damit den Nährboden. Karies und Parodontose bzw. Erkrankungen des Zahnfleisches und des knöchernen Zahnbettes lassen wir damit gar nicht erst entstehen.

Eine taugliche einfache Zahnbürste ist immer noch das bewährteste Putzutensil. Ein wahrer Feger, wenn man ihn richtig zu gebrauchen weiß. D.h., man putzt so viel oder wenig wie nötig, denn die Zahnpflege sollte "nur" für die Nachbesserung der natürlichen Selbstreinigung dienen. Zahnseide und Mini- oder Interdentalbürsten braucht beinahe jeder zusätzlich für die Zahnzwischenräume und andere für die Bürste unzugängliche Bereiche.

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Drei Regeln

  1. Die Borsten sind zum Bürsten da, also weder zum Streicheln noch zum Kratzen (für die meisten empfiehlt sich daher eine Zahnbürste mit mittlere Härte).
  2. Die Bürste sollte gekonnt und überall dort hingeführt werden, wo Beläge und Bakterien haften bleiben (evtl. mit Hilfe einer färbenden Kautablette sichtbar machen).
  3. Die Regelmäßigkeit sollte zu den täglichen Gewohnheiten gehören wie die Mahlzeiten und diesen folgen, mindestens zweimal pro Tag. Individuelle Besonderheiten und Schlupfwinkel an Prothesen, unter Kronen, Füllungen, an schiefen Zähne oder Zahnspangen müssen besonders angegangen bzw. gereinigt werden. Hier braucht man die Anleitung und Kontrolle durch den Zahnarzt bzw. die Prophylaxe-Helferin.
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2. Welche örtlich anderweitig gelagerten Krankheiten äußern sich symptomatisch im Mund?

Scharlach, eine Kinderkrankheit, erkennt man an der sogenannten "Himbeerzunge", die oberflächlich einer Himbeere ähnelt. Zwei Tage vorher zeigt sich noch ein dicker weißer Zungenbelag. Gaumen und Mandeln werden oft flammend rot und entzündet, nicht selten mit weißen Stippchen und Belägen auf den Mandeln. Die Wangen sind gerötet, um den Mund bleibt ein blasses Dreieck.

Erfahrene Haus- und Zahnärzte setzen zunächst auf ihre Sinne, nicht nur auf das Sehen, sondern auch auf das Hören, z.B. des bronchialen Begleitgeräusches beim Ausatmen, auf die Art der Atmung, durch den Mund oder die Nase, und auf den Atemrhythmus. Oder das Riechen: beispielsweise den süßlichen, nach Azeton riechenden Atem bei einer Lebererkrankung (foetor hepaticus), den aromatisch-fruchtigen Geruch beim Diabetiker und natürlich die typischen Mundgerüche von Rauchern und Alkoholikern.

Wichtig ist auch das Tasten, z.B. der Lymphknoten unter den Kieferwinkeln und der verhärteten Kaumuskeln bei Zähneknirschern.

Eine Parodontose mit geschwollenem und blutendem Zahnfleisch, Zahnstein und vielleicht tiefen Taschen kann ein Hinweis auf einen Zusammenhang mit Schwankungen des Blutzuckerspiegels bei Diabetes sein. Auch starke Durstgefühle, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, ungewollter Gewichtsverlust, erhöhte Infektanfälligkeit und schlecht heilende Wunden, auch im Mund, sollten aufhorchen und an Diabetes Typ 2 denken lassen.

Pubertäts- und Schwangerschaftsgingivits, d.h. entzündetes und geschwollenes Zahnfleisch, beides bedingt durch Veränderungen des Hormonhaushaltes. Früher sagte man, jedes Kind fordert seinen Zahn. Die Erklärung ist, dass Zähne und Knochen als mineralische Depots bei besonderen Anforderungen und Krankheiten angezapft und damit krankheitsanfällig werden.

Bekannt ist auch eine Zahnfleischwucherung bei akuter Leukämie (Blutkrebs) oder durch die Einnahme von Hydantoine-Medikamenten bei Epileptikern.

Mund und Zähne geben auch verschiedene Hinweise auf Stressbelastungen durch Ärger, Ängste, Kummer, Sorgen u.ä.: beispielsweise durch keilförmige Zahnfleischdefekte, wodurch die Zahnhälse freiliegen weil die Zähne durch stetiges Zusammenbeißen überlastet werden. Stress kann auch zu abradiertem, abgeriebenem Zahnschmelz infolge des Zähneknirschens führen.

Wichtige Krankheitsindikatoren lassen sich auch an der Zunge ablesen:
Beispielsweise frontale und seitliche Zahnabdrücke an der Zunge lassen auf ein Zungenpressen schließen, bedingt durch Stress und Anspannung.

Überhaupt können verschiedene Veränderungen der Zungenoberfläche, Beläge, Farbe, Konsistenz, Furchenbildung u.a. auf Erkrankungen der inneren Organe hinweisen, besonders der am Stoffwechsel beteiligten Verdauungsorgane wie Leber, Galle, Magen und Darm.

Magersüchtige erkennt man u.a. daran, dass sich der Zahnschmelz auf der Innenseite der Zähne allmählich auflöst, weil er den ständigen Säureattacken beim Erbrechen nicht mehr standhält. Ähnliche Schmelzangriffe, die dann aber den Zahn rundum erfassen, kennt man durch sogenannten Energy-Drinks oder durch zu viel Coca Cola, ganz zu schweigen von den inneren Stoffwechselbelastungen, die daraus folgen können.

Eine plötzliche, ungewöhnlich stark sich ausbreitenden Karies kann ein Hinweis auf eine Stoffwechselstörung, einen Mineralmangel bzw. eine Funktionsstörung des Magen-Darmtraktes sein, die auf einer Resorptionsschwäche, einer Dysbiose mit entsprechender Verdauungs- und Verwertungsstörung beruht.

Auf eine ähnliche Stoffwechselstörung kann auch eine rasant fortschreitende Parodontose zurückgeführt werden. Dahinter stecken entweder Mängel in der Nahrung, d.h. ungesundes Essen oder Mängel in der Nahrungsaufnahme in Form einer Verdauungsschwäche.

3. Zunge reinigen - was ist davon zu halten?

Natürlich macht es Sinn, eine belegte, unansehnliche und vielleicht noch Mundgeruch erzeugende Zunge mit der Bürste oder einem speziellen Zungenschaber zu reinigen. Eine belegte Zunge muss nicht gleich ein Grund zur Sorge sein. Als Dauerzustand kann sie aber auf eine Funktionsstörung im Magen-Darm-Trakt und der am Stoffwechsel beteiligten Organe hinweisen (siehe vorherige Frage). Den Absonderungen, Belägen und Bakterien sollte dann mit zahnärztlicher, ärztlicher oder heilpraktischer Hilfe nachgegangen werden.

4. Zähneknirschen in der Nacht, woher kommt das?

Das Zähneknirschen (siehe zweite Frage) geschieht meistens aufgrund von Anspannungen, Aggressionen, Stress und anderen psychischen Belastungen, die nachts im Schlaf aus dem Unterbewussten aufsteigen und dementsprechend verarbeitet und im wahrsten Sinne des Wortes "durch- und wiedergekaut" werden. Sie lassen sich zum Teil durch Übungen, z.B. Kau- und Saugübungen "abarbeiten" und mit sogenannten funktionellen Zahnspangen auf physiologische Weise abbauen.

5. Mundgeruch trotz "sauberer" Zähne: Was sind die häufigsten Ursachen und was kann man dagegen tun?

Bei Mundgeruch, trotz sauberer Zähne, sollte man genauer hinschauen, in versteckte Winkel, in Zahnfleischtaschen, unter Brücken, Kronen, in kariöse Zähne, auf die Zunge, in die Furchen der Mandeln und im Nasen- Rachenraum. Letztlich sind es in 80 bis 90 Prozent aller Fälle die Fäulnis-Bakterien im Mund- und Rachenraum, die sich gern in den genannten Nischen ansiedeln.

Die anaeroben (ohne Sauerstoff lebenden) Bakterien bevorzugen eiweißreiche und säurebildende Nahrungsbestandteile. Auch Alkohol, Rauchen und Koffein tragen häufig zum Mundgeruch bei. Wichtig für einen frischen und angenehmen Atem ist eine gesunde basische Ernährung (Obst, Gemüse, Salat, Sprossen und Nüsse) durch die sich langfristig auch wieder eine gesunde Mundflora etablieren kann. Nicht selten ist es auch die Mundatmung, durch die der Speichel austrocknen und zu Mundgeruch führen kann. Eine Umstellung von der Mund- zur Nasenatmung kann dann auch viel bewirken.

Unter Stress kommt vieles zusammen: Mundtrockenheit durch falsches Atmen, Hektik, Rauchen, Alkohol sowie der Konsum von Kaffee, Psychopharmaka oder Drogen. Leicht übersehen werden auch übel riechende Mandelsteine, die sich in den Furchen der Gaumenmandeln verstecken und nicht immer von selbst abwandern. Neue Atemfrische können zuckerfreie Kaugummis, Lutschbonbons mit Pfefferminze, Stoffe wie Chlorophyll, schwarzer oder grüner Tee oder das altbewährte morgendliche Ölziehen bewirken.

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Buchtipp

Hubertus von Treuenfels:
"Gesund beginnt im Mund - Warum Zähneknirschen zu Rückenschmerzen führt und Lachen den Blutdruck reguliert"
Knaur MensSana HC, 10.01.2017, 240 S.
ISBN: 978-3-426-65800-0
Preis: 18,- Euro

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Sendung: hr4, hr4 - Britta am Vormittag, 27.02.2020, 10:00 Uhr

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