Verschiedene Messenger-Apps auf einem Smartphone

Jetzt ist es offiziell: WhatsApp und Facebook tauschen Daten aus und man kann dem Ganzen nur zustimmen oder auf eine Nutzung von WhatsApp verzichten. Wer Wert auf mehr Datenschutz legt, findet aber einige Alternativen zum Marktführer. Allerdings müssen da alle Kontakte mitspielen.

WhatsApp ist der am weitesten verbreitete Messenger-Dienst. Er gehört zum Facebook-Konzern und jetzt ist es amtlich: Wer weiterhin WhatsApp nutzen will, muss in den AGBs zustimmen, dass WhatsApp die Daten mit Facebook austauschen darf. Stimmt man dem nicht zu, kann man WhatsApp nicht mehr nutzen!

Wem die Datenkrake facebook zu viel ist, der findet einige Alternativen. Das Problem, so viel vorweg, ist allerdings, dass dann alle Kontakte auf die entsprechende Alternative umsteigen müssten. Ob da aber alle mitspielen, bleibt - leider - zu bezweifeln.

WhatsApp

Verfügbar für Android, iOS sowie Windows PC und macOS; Preis: kostenlos
Der weltweit beliebtester Messenger, gehört inzwischen dem Unternehmen Facebook. Wegen Problemen mit dem Datenschutz immer wieder in der Kritik. Ermöglicht neben Chats auch Anrufe und Videoanrufe. Gruppen-Anrufe sind möglich, sofern die Anzurufenden in Ihren Kontakten stehen. Besonderer Vorteil: Video-Anrufe sind mit bis zu vier Teilnehmern gleichzeitig möglich! Jetzt nur noch nutzbar, wenn man dem Datenaustasuch mit Facebook zustimmt. Damit soll noch gezielter Werbung individualisiert und angezeigt werden.

Skype

Verfügbar für Android, iOS, Blackberry, Nokia, Amazon Fire OS, Windows Phone, PC; Preis: kostenlos;

Ursprünglich war das Programm nur zur Video-Telefonie gedacht, inzwischen beherrscht Skype alle Disziplinen eines Messengers. Vor einigen Jahren wurde das Unternehmen von Microsoft gekauft. Damit liefert man sich natürlich datenmäßig einem weiteren großen Unternehmen aus. Allerdings ist das noch nicht so extrem wie bei Facebook. Skype ist der Klassiker der Team-Kommunikation. Das Tool ist unter Windows uneingeschränkt per Tastatur und auch für blinde Personen nutzbar. Die Sprachqualität ist eher mittelmäßig, außerdem kommt es oft zu Verzögerungen bei der Bild-Übertragung, wodurch Sprache und Bild nicht immer synchron sind.

Signal

Verfügbar für Android und iOS sowie auch für Windows PC, macOS und Linux; Preis: kostenlos
Ist ein unabhängiger Messenger, der von einer gemeinnützigen Stiftung entwickelt und betrieben wird, die viel Wert auf Datensicherheit und Verschlüsselung legt und keine Datenkrake wie WhatsApp/Facebook ist. Der Dienst ermöglicht neben den klassischen Chats auch Anrufe und Videoanrufe.

Telegram

Verfügbar für Android, iOS, Windows Phone sowie Windows PC, macOS, Linux; Preis: kostenlos
Die App wurde in Russland entwickelt, ist ein teilweise offener Messenger. Ermöglicht neben Chats auch Anrufe und Videoanrufe. Leider sind in der aktuellen Version keine Gruppen-Anrufe möglich. Auch Telegram erlaubt das Versenden von Sprach- und Video-Beiträgen. Vorteil: Telegram kann auch anonym, also ohne Sammeln von Telefonnummern, verwendet werden. Sie können einen Kanal anlegen, über den Sie Informationen verbreiten können - Interessenten müssen lediglich den Kanal abonnieren. Telegram ist zur Zeit in aller Munde, da der Dienst vor allem von Corona-Kritikern und Verschwörungstheoretikern genutzt wird.

Threema

Verfügbar für Android, iOS, Windows Phone, Blackberry, Amazon Fire OS; Preis: 3,99 Euro
Die App eines Schweizer Entwicklers legt viel Wert auf Sicherheit und verfügt über eine sehr gute End-to-End-Verschlüsselungen anbietet. Man muss auch keine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse hinterlegen. Außerdem sammelt der Messenger keine Daten über die Gespräche, wie es WhatsApp tut. Inzwischen verfügt Threema auch über die Möglichkeit des Videoanrufts.

Google Messages

Verfügbar nur für Android; Preis: kostenlos
Google Messages ist das Android-Gegenstück zu iMessages und Facetime von Apple. Es können Text-Chats, Anrufe und Video-Calls durchgeführt werden, auch Gruppen-Calls sind möglich. Das ist natürlich nur sinnvoll, wenn alle anderen Teilnehmer auch Android-Geräte haben. Mit dieser App bleibt man natürlich in der Google-Welt und in der Google-Datensammlung.

iMessage und Face Time

Verfügbar nur für iOS; Preis: kostenlos
Auf Apple-Geräten vorinstalliertes Nachrichtenprogramm, mit dem sich iOS-Nutzer Bilder etc. zuschicken können, und das auch für den SMS-Versand genutzt wird. Arbeitet die gesamte Gruppe mit Apple-Geräten, so steht einer guten und stabilen Kommunikation nichts im Wege. Aber auch hier gilt, dass man sich mit seinen Daten in der Apple-Welt bewegt.

Das Wichtigste kurz gefasst

Audiobeitrag

Audio

zum hr1.de Audio So funktionieren Messenger-Apps

Whatsapp
Ende des Audiobeitrags

"Messenger" sind Programme für Smartphones, mit denen man über das mobile Internet Nachrichten und vieles mehr verschicken kann. Viele Menschen benutzen mittlerweile Programme wie WhatsApp, um mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben und ihnen Nachrichten, Bilder und Videos zu schicken.

Der Hauptzweck von Messenger-Programmen ist das Verschicken von Textnachrichten, analog zur SMS. Man kann kurze Sprachnachrichten aufnehmen und versenden. Der Versand von Bildern, Videos und anderen Anhängen ist völlig problemlos. Viele Apps erlauben sogar das Verschicken des eigenen Standorts. In den meisten Messengern lassen sich Gruppen anlegen, in denen mehrere Menschen gemeinsam kommunizieren können – viele Familien haben eigene Gruppen. So sind alle Familienmitglieder – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort – auf dem neusten Stand.

Bei fast allen Messengern sieht man am Ende der eigenen Nachrichten Häkchen, die symbolisieren, ob die Nachricht abgesendet wurde, ob sie auf dem Empfänger-Gerät angekommen ist und ob der Empfänger sie auch geöffnet hat - das lässt sich bei vielen Messengern ausschalten. Nachrichten kann man nur mit den Menschen austauschen, die den selben Messenger nutzen.

Wie benutzt man einen Messenger?

Messenger lädt man im App-Store herunter, meldet sich mit Handy-Nummer oder Benutzernamen an und kann dann Nachrichten an alle schicken, die denselben Messenger benutzen. Dazu muss man entweder die Nummer oder den Nutzernamen des Empfängers kennen. Ein Sonderfall ist der Facebook-Messenger, der nur mit einem Facebook-Profil genutzt werden kann. Eine wichtige Entscheidungshilfe dafür, welchen Messenger Sie nutzen, sollte immer die Anzahl ihrer Kontakte sein, die denselben Dienst benutzen - schließlich können Sie nur mit diesen Menschen Nachrichten austauschen.

Sicherheit

Ein großer Kritikpunkt bei Messenger-Programmen war bisher die Daten-Sicherheit - da alles über das Internet verschickt wird, konnten Dritte die Nachrichten zum Teil mitlesen. Sicherheit bietet die mittlerweile weit verbreitete Verschlüsselung. WhatsApp betont, dass alle Nachrichten neuerdings Ende-zu-Ende verschlüsselt seien. Dadurch soll es fast unmöglich sein, dass andere Personen Daten im Sendeprozess abfangen und entschlüsseln können.

Was ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung?

"Ende-zu-Ende" bedeutet, dass Inhalte auf dem Gerät des Absenders verschlüsselt und erst beim Empfänger wieder entschlüsselt werden. Auf dem Transportweg durchs Internet und auf den Servern des jeweiligen Dienstanbieters bleiben die Daten geschützt. Würde jemand eine Nachricht unterwegs abfangen, erhielte er nur unverständlichen Datensalat. Verschlüsselt werden können grundsätzlich viele unterschiedliche Datenarten, zum Beispiel Text, Fotos und Videos. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist aber auch für Telefongespräche übers Internet möglich. Neben Messengern wie WhatsApp ist die Technologie vor allem bei E-Mail-Diensten verbreitet.

Es hält sich das Gerücht "Wer Bilder etc. über WhatsApp verschickt, gibt Rechte auf und WhatsApp darf damit machen, was es will" - Was ist dran?

Laut aktuellen AGBs bleiben bei verschickten Dateien alle Rechte beim Fotografen und der abgebildeten Person. Nichts werde länger als 30 Tage zwischengespeichert und nichts irgendwo veröffentlicht. Eine Ausnahme davon ist das Profilbild, das die Leute selbst zur Veröffentlichung freigeben.

Datenweitergabe von WhatsApp an Facebook

Dagegen, dass WhatsApp Daten mit Facebook teilt, kann man nichts mehr tun, wenn man WhatsApp nutzt.  Als die neuen AGBs frisch eingeführt wurden, musste man denen zustimmen – oder aussteigen. Immerhin: Man konnte 30 Tage lang deaktivieren, dass die WhatsApp-Daten für Facebook-Werbung genutzt werden dürfen. Wer also nicht schnell genug reagiert hat, hat inzwischen Pech gehabt. Nur noch ganz neue WhatsApp Nutzer haben die Möglichkeit, das zu deaktivieren – 30 Tage lang.

Sendung: hr4, hr4 - Mein Morgen in Hessen, 08.01.2021, 06:00 Uhr

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