Trauermücke auf einer Blüte

Sie tauchen wie aus den Nichts auf und befallen Zimmerpflanzen, dabei sind sie lästig und unschön: Trauerfliegen, auch Trauermücken genannt. Thomas Pilgrim kennt die Ursache und wir haben Tipps zur Bekämpfung und Vermeidung zusammengestellt.

Frage von hr4-Hörerin Rosy Baum aus Kassel: In meinen Blumentöpfen in der Wohnung sind leider viele kleine schwarze Fliegen. Ich habe bereits Düngestäbchen, die zusätzlich gegen Läuse und weiße Fliegen helfen, eingesetzt, aber ich glaube, das hat nicht geholfen. Hätten Sie einen Rat für mich und wissen eventuell, warum sich diese Fliegen entwickeln?

Unser hr4-Garten-Doc Thomas Pilgrim vermutet, dass die Pflanzen zu stark gegossen werden und zu nass sind. Die meisten Pflanzen mögen keine Staunässe, dann das führt zu einer Schwächung. Der Hauptgrund ist vor allem, dass sich Fäulnis an den Wurzeln bildet. So geschwächt ist die Pflanze anfällig gegen Schädlinge.

Die Lösung in diesem Fall: Den Wurzelballen trocknen lassen und die Pflanze umtopfen. Dabei aber darauf achten, dass die alte Erde komplett entfernt wird. Auch beschädigte Pflanzenteile und Wurzeln sollten mit beseitigt werden, um in der neuen Erde einen guten Start zu ermöglichen. Beim Gießen dann darauf achten, dass sich keine Staunässe bildet.

Trauerfliegen die Übeltäter

Bei diesen kleinen schwarzen Fliegen handelt es sich um Trauerfliegen oder Trauermücken. Im Garten sind sie durchaus willkommene Nützlinge, da die Larven sich im Komposthaufen an der Zersetzung des Materials beteiligen. In der Wohnung sind sie lästig und ein Zeichen dafür, dass etwas mit Zimmerpflanzen nicht stimmt.

Das Problem sind weniger die Fliegen, sondern die Larven. Diese fressen die beschädigten und faulenden Wurzelteile im Erdreich. Und wenn es dort schön feucht ist, freut sie das besonders.

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Tipp

Will man Trauerfliegen freie Erde haben, gibt man die Blumenerde auf ein Backblech und dann bei 200 Grad für 20 Minuten in den Backofen. Dadurch werden Eier und Larven abgetötet.

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Vielfach holt man sich die Fliegen selbst ins Haus - unwissentlich, da ihre Eier in der (gekauften) Blumenerde sind. Die Weibchen der Trauerfliege nutzen sehr gerne komposthaltige Erde für die Eiablage und die Eier können einige Zeit unbeschadet überstehen.

Gegenmittel

Ein einfaches Mittel zur Bekämpfung der Mücken ist, ihnen die Eiablage zu erschweren. Dazu deckt man die Blumenerde im Topf mit einer etwa einen Zentimeter hohen Schicht Quarzsand oder feiner Kiesel ab. Statt Quarzsand kann auch Vogelsand verwendet werden, ABER der enthält in der Regel Kalk, den nicht alle Pflanzen gut vertragen.

Streichhölzer

Bei Pflanzen, die nicht für den Verzehr gedacht sind, lassen sich auch gut Streichhölzer verwenden. Die Streichhölzer einfach mit dem Schwefelkopf nach unten in die Erde stecken. Beim Gießen wird der Schwefel daraus gelöst und im Wurzelballen verteilt. Die Larven vertragen das nicht und gehen ein. Bei einem Topfdurchmesser von zehn Zentimetern reichen ein bis zwei Hölzer. Die Prozedur einige Wochen durchführen, dann sollten die kleinen Fliegen Geschichte sein. Eine recht einfache und billige Methode.

Eine weitere Möglichkeit sind Gelb- oder Klebefallen. Diese beschichteten Täfelchen werden zu den betroffenen Blumen gesteckt. Bald kleben die Mücken am Leim. Damit fängt man aber nur die geschlüpften Insekten. Man sollte die Fallen einige Monate bei den Pflanzen lassen, um auch die Larven nach der Verwandlung zu erwischen.

Fettkraut (Pinguicula agnata)

Weniger auffällig, aber dafür viel dekorativer als die künstliche Gelbfalle ist Fettkraut, eine Gattung fleischfressender Pflanzen. Die Sorten Pinguicula vulgaris, Pinguicula colimensis und Pinguicula agnata beispielsweise blühen nicht nur sehr dekorativ, sie haben auch schöne große Blätter und einen Duft, die die Fliegen und Mücken in ihr Verderben locken. Die Blätter sind mit einer klebrigen Schicht überzogen, aus der es für die Insekten kein Entkommen mehr gibt. Dann beginnt der Verdauungsprozess.

Fliegen auf einem Fettkraut-Blatt (Pinguicula vulgaris)

Ansonsten brauchen die beiden Sorten keine besondere Pflege. Im Gegensatz zu anderen fleischfressenden Pflanzen muss ihr Wurzelballen auch nicht dauernd feucht gehalten werden. Eine Pinguicula pro Fensterbank sollte ausreichen.

Natürliche Feinde sind schnellste Lösung

Die schnellste Methode gegen Trauerfliegen ist der Einsatz natürlicher Feinde, beispielsweise Nematoden (Steinernema feltiae), etwa 0,8 Millimeter große Fadenwürmer. Das Ziel dieser Würmer sind die Larven. Sie dringen über Körperöffnungen in die Larve ein und verabreichen dort Bakterien, die die Wirtstiere von innen zersetzen. Eine Packung kostet etwa fünf bis zehn Euro, je nach Menge. Die Fadenwürmer werden ins Gießwasser gerührt und gelangen damit ins Erdreich. Dort verrichten sie anschließend ihr Tagwerk. Mit einer Million Nematoden lassen sich zehn befallene Topfpflanzen oder zwei Quadratmeter Garten bekämpfen.

Auch Raubmilben (Hypoaspis miles) haben die Larven der Trauerfliege zum Fressen gerne. Sie sind nicht ganz so schnell wie die Nematoden, dafür halten sie sich aber länger im Boden. An den Pflanzen richten sie keinen Schaden an. Auf ihrem Speiseplan stehen auch noch Sumpffliegen, Thripspuppen und Springschwänze.

Mit diesem Tipps sollte man den Schädlingen Herr werden können. Wer damit aber nicht klar kommt, kann immer noch zur chemischen Keule greifen.

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Ihre Fragen an den hr4-Garten-Doc

Haben Sie Probleme im Garten? Lassen die Blumen die Köpfe hängen, muss ein Schattenfleckchen begrünt werden oder nimmt das Unkraut überhand? Vielleicht kann Ihnen unser Experte helfen.

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Sendung: hr4, hr4 - Mein Morgen in Hessen, 06.02.2019, 06:05 Uhr

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