Ein Stempel mit dem Text Erbschaftsstreit liegt auf einem Testament
Wer rechtzeitig ein Testament verfasst, geht einem Streit ums Erbe aus dem Weg Bild © Colourbox.de

Der "letzte Wille" verteilt Vermögen und persönliche Dinge unter Verwandten und Freunden. Wer zu Lebzeiten seinen Willen aufschreibt, macht es für die Erben einfacher und vermeidet Streit um den Nachlass.  

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Ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge - das kann man so hinnehmen. Aber bei vielen Menschen gibt es den Wunsch, den Nachlass individuell zu gestalten. Unser Experte, Rechtsanwalt Alexander Zehe, wirbt für das frühzeitige Festlegen des letzten Willens: "Ein eindeutig formuliertes Testament ist notwendig, um der Nachwelt klarzumachen, was man gerne gewollt hat. In dem Zusammenhang ist es aber auch sinnvoll, sich beraten zu lassen, damit kein unnötiger Streit entsteht."

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Unser Experte

Rechtsanwaltskanzlei Alexander Zehe
August-Schanz-Straße 80
60433 Frankfurt am Main

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Um ein Testament aufzusetzen braucht man nicht zwangsläufig einen Notar: Man kann auch ein privatschriftliches Testament aufsetzen. Dabei sollte man aber einiges beachten.

Ein privatschriftliches Testament aufsetzen:

  • Wer kann erben?

Als Erben können nur lebende natürliche Personen oder juristische Personen eingesetzt werden.

  • Handschriftlich oder am PC?

Das Testament muss unbedingt handschriftlich (eigenhändig) aufgesetzt werden. Ein mit Computer geschriebenes und lediglich unterschriebenes Dokument ist unwirksam! Man kann das Testament wie einen normalen Text verfassen oder in Briefform schreiben.

  • Die richtige Überschrift?

Es sollte mit "Testament" oder "Mein letzter Wille" überschrieben sein. So kann man das Testament nicht mit einem Entwurf verwechseln.

  • Wichtig: Die Unterschrift!

Ohne Unterschrift ist das Testament nicht gültig. Hat ein Testament mehrere Seiten, sollte jede Seite unterschrieben werden. Fügt man einem aufgesetzten Testament einen Zusatz hinzu, muss man auch das unterschreiben. Dabei möglichst mit Vor- und Zunamen unterschreiben.

  • Ort und Datum dürfen nicht fehlen!

Das jeweils aktuellste Testament ist das Gültige - am besten alte Versionen vernichten. Gibt es mehrere gültige Testamente mit widersprüchlichem Inhalt, gilt das zuletzt verfasste.

  • Richtig aufbewahren

Das fertige Testament sollte man nicht irgendwo zwischen Akten oder in Schränken aufbewahren. Am besten beim Nachlassgericht hinterlegen.

  • Pflichtteilsrechte bedenken!

Werden Kinder, Ehegatten oder Eltern, die nach der gesetzlichen Erbfolge erben würden, in einem Testament nicht berücksichtigt (enterbt), so steht ihnen ein Pflichtteilsanspruch gegen den oder die eingesetzten Erben zu. Es kann sinnvoll sein, diesen Umstand im Testament bereits zu berücksichtigen.

  • Eindeutig formulieren

Vermeiden sie Formulierungen, über deren Bedeutung später zwischen den Erben Streit entstehen könnte. Ggf. verhindert eine detaillierte Verteilung ihres Hab und Gutes Ärger unter den Erben. Formulieren sie daher möglichst präzise, wer nach ihrem Willen was bekommen bzw. woran in welchem Maße teilhaben soll.

Schreiben Sie also nicht "Karre", wenn Sie Ihren teuren Sportwagen oder den wertvollen Oldtimer meinen. Benennen Sie die Erben mit Vor- und Nachnamen - so gibt es keine Missverständnisse, und Erben haben es einfacher.

  • Kann ich bestimmten Einrichtungen etwas vererben?

Es ist auch möglich, juristische Personen als Erben einzusetzen, zum Beispiel eine Stiftung oder die Kirche.

  • Festlegen, was nach dem Tod der Erben passiert!

Versterben die eigenen Erben, fällt das Ererbte grundsätzlich an deren Erben. Will man dies anders regeln, kann man Ersatzerben bestimmen, oder aber die Erben als Vorerben einsetzen und zugleich Nacherben bestimmen, an die das Erbe weitergereicht wird.

Das öffentliche, notarielle Testament

Wer sich das Verfassen eines Testaments nicht zutraut, kann die Hilfe eines Notars in Anspruch nehmen. Dieser verfasst Ihren letzten Willen und beurkundet das Testament. Hierbei müssen Sie das Schriftstück nicht handschriftlich verfassen - Sie legen fest, was im Testament stehen soll und unterschreiben es danach handschriftlich.

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Kosten für ein Testament

Um die Kosten eines Testaments zu bestimmen, sollte man einen RA oder Notar kontaktieren und nach einem zugeschnittenen Kostenvoranschlag fragen. Die Gebühr richtet sich nach der Höhe des Geschäftswerts. Dieser errechnet sich aus der Summe aller Vermögensgegenstände, Verbindlichkeiten werden abgezogen.

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Der Notar verlangt für seine Leistung eine Gebühr, diese orientiert sich an der Höhe des Nachlasses. Ein möglicher Vorteil für die Erben: Sie können Zeit und Geld sparen - denn das notariell erstellte Testament kann unter Umständen den Erbschein ersetzen. Alternativ besteht die Möglichkeit, dem Notar ein bereits vorbereitetes Schriftstück entweder offen oder in einem verschlossenen Umschlag zu übergeben und zu erklären, dass dies der letzte Wille sei.

Wer aufgrund von Behinderung oder Krankheit nicht in der Lage ist, eigenhändig ein Testament zu verfassen, kann seinen letzten Willen nur durch ein öffentliches Testament errichten.

Rechtlich sind beide Formen - also das privatschriftliche und das öffentliche Testament - gleichwertig, sagt Rechtsanwalt Alexander Zehe: "Viele glauben, das private Testament sei minderwertig. Das ist nicht der Fall, es ist absolut gleichwertig! Wichtig sind Datum und Ausstellungsort, dass es handschriftlich verfasst und eigenhändig unterschrieben ist. Bei Ehegatten verfasst einer das Testament, der andere unterschreibt."

Für Paare mit Kindern: Das Berliner Testament

Eine oft genutzte Möglichkeit besonders für Paare mit Kindern ist das sogenannte Berliner Testament: Hierbei setzen sich Verheiratete oder Lebenspartner gegenseitig als Alleinerben ein und bestimmen zugleich, an wen der gesamte Nachlass nach dem Tod des zuletzt Verstorbenen fallen soll. So erbt der hinterbliebene Partner zunächst alles, die Kinder sind Schlusserben. Sie bekommen ihr Erbe - anders als nach der gesetzlichen Erbfolge - erst, wenn beide Elternteile gestorben sind.

Wichtig: Bei einem Berliner Testament handelt es sich um eine sogenannte wechselbezügliche Verfügung. Daher ist ein Widerruf des Testamentes nur möglich, so lange beide Partner noch leben, dabei sind besondere Bestimmungen zu beachten. Nach dem Tod eines der Partner kann der Überlebende das Testament nicht mehr widerrufen, falls das Testament nicht eine entsprechende Berechtigung enthält. Außerdem sollte bedacht werden, dass durch ein Berliner Testament erbberechtigten Kinder beim Tod des ersten Partners der gesetzliche Erbanspruch entzogen wird, wodurch Pfichtteilsansprüche entstehen können.

Vererben an Freunde oder bei Paaren ohne Trauschein

Wer sein Geld an Menschen vererben will, mit denen er nicht verwandt ist, der sollte sich frühzeitig Gedanken machen. Denn dann müssen Verwandte möglicherweise vom Erbe ausgeschlossen werden und das macht die Sache komplex, sagt Waltraut Kurze aus Biebertal.

Sie ist Fachanwältin für Erbrecht und kennt den Fall, der am häufigsten vorkommt: Jemand möchte seinem Lebenspartner alles vermachen, Kinder aus der vorherigen geschiedenen Ehe sollen wegen Streitigkeiten aber leer ausgehen. Das geht so einfach nicht, denn ihnen steht der Pflichtteil zu. Und das kann unangenehme Folgen für den nicht verwandten Erben mitbringen.

"Weil diese Pflichtteilsberechtigten ein umfassendes Auskunftsrecht haben. Das heißt, der Nicht-Verwandte muss über den gesamten Nachlass Auskunft erteilen und zwar minutiös. Und muss unter Umständen - wenn Kraftfahrzeuge oder Grundbesitz zum Nachlassvermögen gehören - Sachverständigengutachten einholen, die diesen Wert ermitteln."

Auch im Hinblick auf die Erbschaftssteuer gibt es Unterschiede. Denn Vater Staat möchte seinen Teil auf jeden Fall bekommen. Auch wenn jeder Erbschaftsfall nochmal einzeln einzuschätzen ist, gibt es doch pauschale Richtwerte, erklärt die Marburger Steuerberaterin Anke Nahlinger: "Grob kann man sagen, dass die zu zahlende Erbschaftssteuer vom Verwandtschaftsgrad abhängt. Es Gibt beim Erben unterschiedliche Steuerklassen und Freibeträge und da sind Kinder oder Eltern gegenüber Nicht-Verwandten besser gestellt. Zum Verständnis: bei Kindern gibt es einen Freibetrag von 400.000 Euro, bei Nicht-Verwandten sind es nur 20.000 Euro."

Nun gibt es schon noch den ein oder anderen Kniff, den man anwenden könnte. Zum Beispiel kann man dem Partner zu Lebzeiten schon Teile des Vermögens schenken. Aber auch da müssen Höchstgrenzen beachtet werden, damit die Schenkung steuerfrei bleibt. Fachanwältin Waltraut Kurze empfiehlt daher vor allem Paaren ohne Trauschein: "Wer in einer Lebenspartnerschaft ist sollte gemeinsam einen Notar aufsuchen und sich beraten lassen."  

Erbe oder Vermächtnis: Die Unterschiede

Erben oder Erbengemeinschaften erhalten den gesamten Nachlass, ein Vermächtnis-Nehmer hat nur Anspruch auf das Objekt oder den Geldbetrag, das ihm vermacht wurde. Unabhängig davon, ob es unter den Erben einen Rechtsstreit um den Nachlass gibt, erhält der Vermächtnisnehmer seinen ihm vermachten Gegenstand. Er kann aber keinen Einfluss auf die Erbschaft nehmen.  

Testament ändern und widerrufen

Hat sich etwas an den Lebensumständen geändert, oder möchten Sie Ihr Testament komplett neu aufsetzen, dann müssen Sie die alte Version vernichten, oder mit einem Vermerk "ungültig" versehen. Dazu Rechtsanwalt Alexander Zehe: Man kann auch ein neues Testament verfassen, indem man Bezug auf ein altes Testament nimmt. Man kann Teile widerrufen. Man kann auch ein notarielles Testament durch ein privatschriftliches Testament widerrufen, indem man schreibt 'Das Testament vom Datum XY soll ungültig sein, oder einzelne Regeln daraus sollen nicht mehr gelten.'"

Das Testament sicher hinterlegen

Öffentliche (notarielle) Testamente müssen vom Notar immer in amtliche Verwahrung beim zuständigen Nachlassgericht gegeben werden. Aber auch ein eigenhändig verfasstes Testament kann problemlos in amtliche Verwahrung gegeben werden. Wenn jemand stirbt, wird immer geprüft, ob ein Testament amtlich verwahrt wurde.

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Kosten Testamentshinterlegung

Eine Hinterlegung beim Amtsgericht kostet 75 Euro. Diese Hinterlegung ist ein meldepflichtiger Vorgang an das Zentrale Testamentsregister, hierbei kommen weitere Kosten von 18 Euro auf den Erblasser zu. Alle Informationen gibt es bei der Bundesnotarkammer.

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Nimmt man ein privatschriftliches Testament aus der amtlichen Verwahrung heraus, so bleibt es dennoch gültig. Man kann es - beispielsweise nachdem man etwas geändert hat - wieder in die amtliche Verwahrung geben. Anders ist es bei einem öffentlichen Testament: Sobald es aus der amtlichen Verwahrung herausgenommen wird, ist es ungültig.  

Fazit

Das Testament tritt zwar erst beim Todesfall in Kraft, dennoch sollte man sich zu Lebzeiten frühzeitig Gedanken darüber machen, wie man seinen Nachlass regeln will. Sparen ist hier fehl am Platz. Wer Sorge hat, im Testament Fehler zu machen, sollte sich Hilfe von einem Anwalt oder Notar holen - Menschen, die sich über ihren letzten Willen im Klaren sind, können ihr aufgesetztes Testament noch einmal mit einem Anwalt im Beratungsgespräch durchgehen. Damit das Testament nicht verloren geht, sollte es beim Amtsgericht (Nachlassgericht) verwahrt werden.

Sendung: hr4, Britta am Vormittag, 15.11.2018, 10:00 Uhr

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