Dr. Klaus Weber vom Klinikum Kassel

Die Verunsicherung ist groß und es gibt viele Fragen rund um das Corona-Virus. Zwei Experten vom Klinikum Kassel haben Ihre Fragen beantwortet.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ihre Fragen zu Corona

Corona
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Wie unterscheidet man zwischen einer Grippe und Corona?

Dr. Klaus Weber: Die Merkmale sind relativ unspezifisch. Das Ganze geht los mit meist trockenem Husten. Da kann auch ein bisschen Schleim dabei sein.  Patient*innen haben ein Krankheitsgefühl, verspüren Abgeschlagenheit und haben eher weniger schnupfenartige Symptome mit laufender Nase. Das kommt dann erst ein bisschen später im Krankheitsverlauf. Inzwischen hören wir auch, dass Patienten, die schon irgendwo in Deutschland in Krankenhäusern behandelt worden sind, gerade am Anfang Durchfall-Symptome hatten. Aber es gibt nicht das eine Symptom, wo man sagen kann "Oha Corona". Es ist eher so in dem Bereich, wie jetzt viele Krankheiten gerade unterwegs sind,

Wenn ich mich jetzt erkältet fühle, aber jetzt nicht hin in einem Risikogebiet war oder auch keinen Kontakt zu einem Infizierten hatte, sollte ich mich trotzdem vorsichtshalber testen lassen?

Dr. Marcus Thomé (links) und Dr. Klaus Weber vom Klinikum Kassel

Dr. Marcus Thomé: Das würde ich nicht empfehlen. Wir sind nun mal in einer Erkältungszeit und Corona ist ein ganz, ganz seltener Erreger. Ohne Kontakt zu einem*r Risiko-Patienten*in oder ohne Aufenthalt in einem Risikogebiet halte ich eine Testung momentan nicht für empfehlenswert.

Was sollte man tun, wenn ein enger Angehöriger aus dem Skiurlaub zurückkehrt und man selbst eine Vorerkrankung hat?  (Das Beispiel war eine Hörerin, deren Schwiegersohn aus Bad Gastein nach Hause kommt und seine Ehefrau herzkrank ist.)  

Dr. Klaus Weber: Im Augenblick ist das Gebot der Stunde der gesunde Menschenverstand. Und das auch das, was wir gestern im Fernsehen hören konnten. "Social distancing" - also Abstand halten ergibt sich erst mal grundsätzlich. Nun ist Bad Gastein in Österreich derzeit noch kein offizielles Risikogebiet. Trotzdem würde ich der Tochter empfehlen, ihrem Mann nicht sofort um den Hals zu fallen, sondern erst mal kurz abzuchecken: wie geht es dir? Bist du beschwerdefrei? Und dann vielleicht auch vorsichtshalber in den nächsten Tagen ein bisschen auf Abstand gehen. Also mit gesundem Menschenverstand vorgehen.

Was sollten ältere Patient*innen, die herzkrank sind  und grippeähnliche Symptome verspüren, machen?

Dr. Marcus Thomé: Am besten den Hausarzt aufsuchen und sich untersuchen lassen. Wie ich eben auch schon ausgeführt habe, haben wir gerade Erkrankungswellen, Grippewellen. Da ist es für jemanden mit einer Vorerkrankung wie einer Herzerkrankung sicherlich empfehlenswert, schneller den Hausarzt aufzusuchen um die Influenza, also die normale Grippe, ausschließen zu lassen.

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Unsere Experten

Doktor Klaus Weber - Chefarzt und Leitung Notaufnahmepflege, Klinikum Kassel
Doktor Marcus Thomé - Chefarzt Infektionsdiagnostik und Klinische Mikrobiologie, Klinikum Kassel

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Viele Hausärzte bitten darum, nicht einfach vorbeizukommen, wenn man Erkältungssymptome hat? Ist das sinnvoll?

Dr. Klaus Weber: Erst anzurufen ist im Augenblick ganz wichtig. Damit die Möglichkeit besteht, schon am Telefon schnell mal vorab zu klären - das sind zwei, drei kurze Fragen: Besteht hier vielleicht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass es doch eine Corona-Virus-Infektion ist? Muss ich hier bestimmte Vorkehrungen beachten? Einfach anrufen ist erst mal vernünftig.

Wie kann man sich überhaupt anstecken?

Dr. Marcus Thomé: Am ansteckendsten ist sicherlich der enge Kontakt zu infizierten und erkrankten Personen. Man sagt 15 Minuten "face to face"-Kontakte, also ein enges Gespräch, also Tröpfcheninfektionen. Aerosole scheinen weniger ein Problem zu sein. Aber eben Tröpfcheninfektionen führen dann mit einer doch relativ hohen Wahrscheinlichkeit zu einer Infektion, zu einer Transmission, also einer Übertragung des Erregers. Die Übertragung über Nahrungsmittel sind nach unserem momentanen Kenntnisstand nicht möglich.

Wie lange hält sich der Virus auf unterschiedlichen Oberflächen?

Dr. Marcus Thomé: Viren zeigen grundsätzlich eine Umwelt-Resistenz. Die ist mehr oder weniger ausgeprägt. Beim Corona-Virus ist die nicht sehr stark ausgeprägt, also von verpackten Lebensmitteln sehe ich keine Gefahr ausgehen, ebenso wenig von Postsendungen aus China. Die würde ich auch bedenkenlos annehmen,

Kann man sich über eine kleine Wunde infizieren?

Dr. Marcus Thomé : Viren sind gewebsspezifisch. Das bedeutet, dass sie einen ganz besonderen Eintrittsweg haben und dort an Rezeptoren andocken. Beim Corona-Virus sind diese Rezeptoren auf der Zunge, im Nasen-Rachen-Bereich und in der Lunge, aber nicht auf unserer Körperoberfläche.

Sind die Medikamente aus der Hausapotheke wirkungsvoll?

Dr. Klaus Weber: Die typische Hausapotheke für solche Erkältungs- und Grippesymptome sind geeignet, um die Symptome zu bessern. Man hat dann weniger Schmerzen, die Nase, läuft weniger. Gegen das Virus selber haben diese Medikamente keine Wirksamkeit

Thema Händewaschen. Reicht wirklich die Seife oder braucht man ein Desinfektionsmittel?

Dr. Marcus Thomé Seife reicht für die normalen Mitbürger im normalen Haushalt. Dass wir im Krankenhaus natürlich unsere Hände desinfizieren, weil wir eben auch noch mit anderen Krankheitserregern konfrontiert sind, versteht sich von selbst. Aber für den Hausgebrauch reicht das ganz normale Reinigungsmittel Seife.

Wie hoch ist draußen die Infektionsgefahr, zum Beispiel öffentliche Toiletten oder druch Geldmünzen?

Dr. Marcus Thomé : Öffentliche Toiletten sind so sicher, wie sie eben sind. Da man das ja doch in aller Regel in dem Moment für sich allein hat, ist es dort bezüglich Corona nicht besonders gefährlich. Münzgeld ist sehr unkritisch: Bakterien und auch Viren mögen Metalle nicht gerne.

Hilft eine Pneumokokken-Impfung, die vom Hausarzt öfter empfohlen wird?

Dr. Klaus Weber: Die Pneumokokken-Impfung ergibt natürlich absolut Sinn, um vor Pneumokokken zu schützen und man weiß, dass die schweren Verläufe der Corona-Virus-Erkrankung häufig auch Probleme mit diesen Bakterien bekommen. Deshalb ergibt es Sinn, weil es die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs senkt. Insbesondere, wenn man zu einer gefährdeten Gruppe gehört, also sehr alt ist, lungen- oder herzkrank ist.

Ist man mehr gefährdet, wenn man an Parkinson erkrankt ist?

Dr. Klaus Weber: Grundsätzlich kann man sagen, dass ein höheres Alter und viele Vorerkrankungen natürlich das Risiko steigern. Ob Morbus Parkinson jetzt wirklich eine Risikoerhöhung darstellt, bin ich mir nicht sicher. Aber häufig haben Parkinson-Patient*innen auch noch andere Erkrankungen, so dass aus der Kombination sich schon ein höheres Risiko ergeben kann.

Sollten COPD- und Asthma-Patienten zurzeit reisen? Oder zum Beispiel  eine Busreise an die polnische Ostsee besser stornieren?

Dr. Klaus Weber: Das kann man so nicht ganz direkt sagen. Gegen die Reise an die Ostsee ist prinzipiell nicht zu sagen. Die Anfahrt im Bus ist natürlich etwas, was auch nach dem, was wir ja schon in der ersten Runde gesagt haben, mit diesem Konzept des "Social Distancing", des Abstands voneinander, nicht gut zusammen passt. Und da würde ich dem Herrn empfehlen, nochmal in sich zu gehen.

Sollte man geplante Operationen wie zum Beispiel  eine Knie-OP wahrnehmen?

Dr. Marcus Thomé : Da empfehle ich, dass man sich an die Klinik wendet. Die werden sich auch sicherlich spontan bei dem Patient*innen zu elektiven Eingriffen melden. Am besten einfach nachfragen.

Wenn man sich mit dem Corona-Virus infiziert hat, wie geht es dann überhaupt weiter? Bleibe ich zu Hause in häuslicher Quarantäne, so lange ich keine schweren Symptome habe? Und was, wenn ich ins Krankenhaus komme, wie werde ich dann behandelt?

Dr. Klaus Weber: Der allergrößte Teil der Patient*innen, man geht von über 80 Prozent der Patient*innen aus, sind nicht in einem Zustand, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Die können zuhause in dieser schon berühmten Heim-Quarantäne bleiben und dort den Verlauf abwarten. Sie haben vielleicht leichte Symptome und brauchen was gegen Kopfschmerzen oder Nasenspray. Aber das geht gut.

Bei denen, die ins Krankenhaus müssen, weil es ihnen einfach schlechter geht, da wird das behandelt, was im Vordergrund steht. Das heißt, wenn die starke Kopfschmerzen haben oder sehr hohes Fieber oder durch das hohe Fieber Flüssigkeitsverlust, dann wird entsprechend das, was anfällt, behandelt. Bei den ganz schweren Fällen, die vielleicht schon Probleme mit der Atmung haben, die würden dann auch beatmet. Also es wird immer das behandelt, was gerade sich als Problem stellt.

Wenn man jetzt 14 Tage in häuslicher Quarantäne ist und dann heißt es ja danach ist die Zeit vorbei, wird man dann noch mal getestet?

Dr. Marcus Thomé : Wir gehen davon aus, dass die maximale Inkubationszeit bis zum Eintritt von Symptomen 14 Tage dauern kann. Im Mittel sind das auch wirklich nur sechs bis sieben Tage. Normale Mitbürger*innen werden dann nicht noch mal getestet. Anders sieht das bei uns im Krankenhaus aus, da wir auch eine gewisse Verantwortung unseren Patient*innen gegenüber haben und da etwas vorsichtiger sind.

Können die Viren in der Sauna absterben?

Dr. Marcus Thomé : Wie ich eben schon gesagt habe, mögen Viren unbelebte Oberflächen nicht gerne. Wenn sie alleine in die Sauna gehen, dann ist das sowieso unkritisch. Mit anderen potenziellen Infizierten in die Sauna zu gehen, das mindert ihr Infektionsrisiko nicht wesentlich.

Welche Möglichkeiten haben Patienten, die an chronischem Asthma leiden und welche Möglichkeiten haben sie, im Falle einer Infizierung einen schweren Verlauf wie eine Lungenentzündung zu vermeiden?

Dr. Klaus Weber: Das sind die wirklichen Risiko-Patient*innen, die mit chronischen Lungenvorerkrankungen. Für sie ist wichtig, sehr aufmerksam zu sein und wenn sie Krankheitssymptome bekommen, wie Fieber oder wie eine plötzliche Verschlechterung ihres Allgemeinbefindens, sich schnell - idealerweise am gleichen Tag - telefonisch bei ihrem behandelnden Arzt oder Lungenfacharzt/fachärztin zu melden. Wichtig ist, dass man da nicht etwas verschleppt und zum Beispiel zwei Tage erst mal guckt, wie es läuft, und sich erst dann meldet, wenn's immer schlechter wird. Das kann zu spät sein, darum ist es ganz wichtig, da aufmerksam zu sein.

Ist man immun gegen Corona, wenn man das Virus überstanden hat?

Dr. Marcus Thomé : Wir gehen davon aus, dass man eine zumindest Teilimmunität gegen die Erkrankung hat. Wie lange die anhält, das ist bei Erkrankungen ganz unterschiedlich. Wie lange die jetzt bei Corona speziell anhält, davon wissen wir momentan noch viel zu wenig.

Sendung: hr4, Britta am Vormittag, 13.03.2020, 10:00 Uhr

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