Traktor zieht einen mit Heu beladenen Wagen

In Hessen häufen sich in die tödlichen Unfälle bei älteren Traktor-Fahrern. Steckt in der Kombination "Alter Schlepper - alter Landwirt" ein höheres Risiko?

Ein Mann will nur helfen und einen alten Traktor wieder in Gang bringen – doch dann fährt der Schlepper plötzlich los und überrollt den 67-Jährigen. Er stirbt. Dieser Unfall aus Tann in der Rhön bewegt. Und es ist noch keine zwei Wochen her, da wurde ein Landwirt aus Marburg ebenfalls von seinem Schlepper tödlich verletzt. Wieso passiert das immer wieder? Wir haben mit Sebastian Dittmar von der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft in Kassel gesprochen.

hr4: Herr Dittmar, warum häufen sich tödliche Unfälle mit Schleppern in letzter Zeit?

Sebastian Dittmar: Unfallereignisse in der Landwirtschaft sind immer sehr individuell. Man kann pauschal nicht sagen, warum es gerade eine Häufung gibt. Was wir als landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft feststellen ist, dass die Kombination alter Schlepper und ein alter Landwirt, also ein alter Fahrer, oft zu einem hohen Unfallrisiko führt.

Gerade ältere Landwirte haben doch viel Berufserfahrung, die kennen ihre Schlepper auswendig. Oder werden sie im Alter etwas leichtsinnig?

Sie sind nicht leichtsinnig, sie wissen im Grunde über viele Jahre, was sie machen, aber oft spielt der Körper nicht mehr mit. Ein Schwerpunkt bei diesen Unfällen ist oft das Auf- und Absteigen an Traktoren. Wenn man sich das anschaut: Das geht den ganzen Tag gut und dann gegen Abend, gegen Nachmittag lässt die körperliche Leistung nach und dann verunfallen die älteren Landwirte oft.

Wenn wir von älteren Traktoren sprechen, dann sprechen wir von Traktoren mit Sicherheitstechnik aus den 1960er/1970er Jahren, da war einfach die Sicherheitstechnik noch nicht so fortgeschritten wie sie heute an neuen Traktoren vorzufinden ist.

Bei uns in Hessen gab es 2018 fast 110 Unfälle mit Schleppern, zum Glück verlief keiner tödlich. Trotzdem ist das ziemlich viel. Woran liegt das?

Ja, das liegt in erster Linie an der landwirtschaftlichen Struktur. Es ist oft klein strukturiert und geprägt von Familienbetrieben. In Familienbetrieben muss oder darf im Grunde jeder sich an der Arbeit beteiligen – auch bis ins hohe Alter. Und gerade wenn man sich die letzten Sommer anschaut, dann hängt das oft auch mit äußeren Faktoren wie großer Hitze zusammen, dann hat man einen alten Schlepper und auch noch einen alten Fahrer dazu und dann steigt die Anspannung – und dann steigt natürlich auch das Unfallrisiko.

Was können denn speziell ältere Landwirte tun? Es gibt ja sicherlich auch ein Fahrsicherheitstraining, oder?

Fahrtsicherheitstraining für landwirtschaftliche Traktoren ist vergleichbar mit einem Fahrtsicherheitstraining für PKW. Man lernt, eine Notbremsung einzuleiten, man lernt die Kurvenfahrt und auch, die Gewichte entsprechend einzuordnen. Denn landwirtschaftliche Maschinen werden ja auch durch Anbaugeräte in ihrem Gewicht nochmal wesentlich erhöht und da ist ja das Brems- und Kurvenverhalten wesentlich anders als nur mit der nackten Zugmaschine.

Sendung: hr4, hr4 - Mein Morgen in Hessen, 23.10.2019, 06:00 Uhr

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