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Blindgänger werden Hessen noch Jahrzehnte beschäftigen

Der Schlossgarten in Fulda wird ab heute gesperrt, da er nach nicht explodierten Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg durchsucht wird, bevor dort gebaut wird. Für Dieter Schwetzler vom Kampfmittelräumdienst wird das auch noch Jahrzehnte nötig sein.

Bevor im Fuldaer Schlossgarten die Bagger anrollen, wird das Gelände ab heute (9. Februar 2022) gesperrt. Es wird nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht. Dieter Schwetzler, Leiter des Kampfmittelräumdienstes beim Regierungspräsidium Darmstadt, beschreibt das Vorgehen so: "Der Boden wird von einer privaten Firma sondiert. Am Computer sichtet man dann die Aufnahmen und sucht nach Anomalien im Boden. Wenn diese auf Kampfmittel hindeuten, gräbt man." Wird dabei eine Bombe gefunden, tritt der Kampfmittelräumdienst in Aktion.

Dieter Schwetzler im Gespräch mit dem hr

Gerade bei größeren Bauvorhaben fragen die Bauherrn nach, wie die Situation des Geländes ist. Anhand von Luftaufnahmen der Alliierten überprüft der Kampfmittelräumdienst die Gefahr. Denn die Bauherren müssen für den Arbeitsschutz garantieren und entsprechend im Boden vorhandene Kampfmittel beseitigen. Die Kosten trägt der Bauherr.

Größte Gefahr geht von Zündern aus

Mit der Ausweitung von Baugebieten werden auch Gebiete ausgewiesen, die bisher noch nicht überprüft wurden. Nach Schätzungen von Dieter Schwetzler wird es noch Jahrzehnte dauern, bis alle Altlasten aus dem Boden geholt sind.

Größere Bomben können Jahrzehnte tief im Erdreich ruhen, ohne dass sie verrosten, allerdings besteht bei den Zündern die Gefahr, dass sie über die Jahre korrodieren und instabil und somit zu einer Gefahr werden. Bei Kleinmunition ist die Gefahr höher, da sie meist nur bis etwa fünf Meter tief in der Erde stecken und der Witterung ausgesetzt sind. Da greifen dann irgendwann die Sicherungselemente nicht mehr.

René Bennert und Dieter Schwetzler mit der Bombe.

Vorsorgliche Suche nur im Staatsforst

Vorsorglich wird der Kampfmittelräumdienst allerdings kaum aktiv. Es gibt ein gewisses Budget zur Überprüfung von staatlichen Forsten, wo nach Kriegsende Munition gesprengt wurde. Ansonsten sind es die bekannten Funde bei größeren Bauarbeiten. Dann rückt der Kampfmittelräumdienst den Hinterlassenschaften des Krieges zu Leibe.

Jährlich, so Dieter Schwetzler, sind des 25 bis 30 Einsätze. Es gab aber auch schon Jahre, da mussten bis zu 60 Funde entschärft oder gesprengt werden. Beim Entschärfen hat der erfahrene Kampfmittelräumer auch immer noch einen hohen Puls, und das ist wichtig: "Wenn man das nicht mehr hat, wird man unvorsichtig und macht Fehler." Und Fehler sind dabei oft tödlich. Das wird sich in nächsten Jahrzehnten auch nicht ändern. Noch ist der Beruf nicht vom Aussterben bedroht.