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Exotische Insekten erobern Hessen

Als hr4-Redakteurin Connie Strack vor einigen Tagen in ihrem Garten eine Spinne entdeckte, staunte sie nicht schlecht. Sie war groß und schwarz, gelb und weiß gemustert. Es handelte sich um eine Wespen- oder Zebraspinne, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum kommt. Inzwischen breiten sich durch den Klimawandel auch andere Insekten weiter nach Norden aus.

Die Wespenspinne aus dem Garten von Connie Strack hat ihren Ursprung im Mittelmeerraum. Von dort ist sie langsam nach Norden gewandert. Jetzt hat sie auch schon Kassel erreicht. Sie verfügt über Giftklauen, ist aber für den Menschen ungefährlich. Unser Experte Frank-Uwe Pfuhl vom NABU findet, dass sie eine farbliche Bereicherung für unsere Gärten ist. Das schwarz-weiß-gelbe Muster auf dem Oberkörper ist schon sehr auffällig.

Wespenspinne im Garten von Connie Strack

Eine andere Spinnenart, die in den letzten Wochen für Schlagzeilen sorgte, ist die bis zu acht Zentimeter große Nosferatu-Spinne. Obwohl der Name danach klingt, ist sie, so Pfuhl, keine Blutsaugerin. Um überhaupt von ihr gebissen zu werden, muss man ihr schon recht nahekommen. Sie verfügt zwar auch über Gift, doch das ist für den Menschen nicht gefährlich. Unser Experte vergleicht den Biss mit einem "leichten Bienenstich". Die Wahrscheinlichkeit, von ihr angegriffen zu werden, ist "gegen null gehend", sagt Pfuhl.

Nosferatu-Spinne

Gottesanbeterin gilt als heimisch

Ein weiteres ungewöhnliches Insekt, das in Hessen gesichtet wurde, ist die Gottesanbeterin. Ein Exemplar der sechs bis acht Zentimeter großen Fangschreckenart ist vor Kurzem in Heppenheim entdeckt worden. Die Europäische Gottesanbeterin steht auf der Roten Liste und gilt als gefährdet. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) sieht die Gottesanbeterin als "in Hessen etabliert" an.

Weniger angenehm für Tiere ist ein weiterer Einwanderer, der schon seit einigen Jahren hier anzutreffen ist: die Riesenzecke Hyalomma. Sie kommt aus den Tropen und ist fünfmal größer als unsere heimische Art. Durch die veränderten Klimabedingungen fühlt sich die Zecke inzwischen aber auch hier wohl.

Hyalomma-Zecke läuft auf dem Boden

Hyalomma keine Gefahr für Menschen

Diese Riesenzecke ist ein Jäger: Wenn sie ein Wirtstier entdeckt hat, verfolgt sie es. Das kann schon mal bis zu 100 Meter weit gehen. Die Zecken, so Frank-Uwe Pfuhl, können auf eine Distanz von zehn Metern gut sehen. Menschen gehören in der Regel nicht zum Beuteschema. Pferde sind ein beliebtes Opfer der kleinen Blutsauger. Die Zecken können Fleckfieber übertragen, für das es aber eine gute Behandlungsmethode gibt.

Schon seit längerer Zeit treibt die Tigermücke aus Asien hier ihr Unwesen. Besonderes Merkmal sind die fünf weißen Streifen auf dem ansonsten schwarzen Hinterbeinen. Auch an Kopf und Schwanz ist ein weißer Strich zu finden. Der Tigermoskito, so müsste das Insekt genannt werden, überträgt Chikungunya-, Dengue- und Zika-Viren auf den Menschen. Hier bei uns in Deutschland wird das Risiko der Übertragung noch als gering geachtet..

Wer unbekannte Tiere im Garten entdeckt, sollte ein Foto davon machen und beispielsweise an den NABU oder eine andere Natur-Organisation schicken. Auch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie ist an solchen Sichtungen interessiert und über Meldung dankbar. Eines sollte man aber, so die Bitte von Pfuhl, nicht machen: So ein Tier grundlos töten.

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