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Audioseite Amerikanische Bisons grasen in Nordhessen

Bisonbulle

Wer zum ersten Mal an den Weiden bei Liebenau vorbeikommt, wird große Augen machen: Dort stehen auf zwei Koppeln Büffel, die man sonst nur in Western durch die amerikanische Prärie ziehen sieht. Dass sie in Hessen sind, ist quasi eine Folge der Wiedervereinigung.

Carsten und Rüdiger Kraft betreiben in Niedermeiser, einem Ortsteil Liebenaus, eine Nebenerwerbslandwirtschaft. Aber nicht nur mit heimischen Kühen, sondern auch mit amerikanischen Bisons. Die vor rund 30 Jahren kamen nach der Wiedervereinigung nach Nordhessen.

Rüdiger setzte damals auf Milchvieh. Doch nach der Wiedervereinigung gingen die Preise in den Keller. Zu der Zeit war Bruder Carsten in den USA. Bei einem Besuch erzählt er von den Bisons und deren Fleisch, das in den USA sehr gefragt ist. Nachdem er wieder zurück in den Staaten war, erhielt er 14 Tage später einen Anruf seines Bruders: "Auf unserer Weide stehen zwei Bisons!"

Bison auf der Weide, im Hintergrund ein Traktor

Bisons sind und bleiben Wildtiere

So fing die Bisonzucht in Nordhessen an. Die Anschaffung hatte etwas von Wild West. Es gab prompt eine Strafe wegen einer Ordnungswidrigkeit. Die Tiere stammten aus Österreich und der Papierkram für Bisons war noch unbekannt. Inzwischen läuft das alles glatt.

Auf zwei Koppeln grasen mittlerweile über 30 Tiere. Doch eines machen die Krafts deutlich: Die amerikanischen Büffel sind keine Haus- und Schmusetiere. Es sind immer noch Wildtiere. Und entsprechend reagieren sie auch. Man muss sich auf ihr Verhalten einstellen. Sie sind keine Fluchttiere und haben vor dem Menschen keine Angst.

Bisonkuh mit Kalb

Respekt vor den Tieren notwendig

Vorsicht gilt vor allem bei Bisonkühen, die Jungtiere haben. Kommt man ihnen zu nahe, reagieren die Mütter aggressiv, um den Nachwuchs zu beschützen. Dabei sind die Kälber eigentlich sehr neugierig. Hier heißt es dann für den Menschen rechtzeitig den Rückzug anzutreten. Auch wenn man es ihnen so nicht zutraut, aber wenn die Büffel mal anfangen zu rennen, schaffen sie bis zu 60 Kilometer pro Stunde.

Und sind sie einmal in Fahrt, hält sie auch nicht unbedingt ein Zaun auf. Sie haben eine unbändige Kraft und ordentlich Masse. Bisonkühe kommen so auf 400 bis 500 Kilogramm Gewicht, Bullen schaffen schon mal bis zu 900 Kilogramm. Einer solchen Masse möchte man nicht im Weg stehen.

Einzelner Bison

Bisons liefern hochwertiges Fleisch

Die Kraft-Brüder haben das im Griff, lesen inzwischen die Signale der Tiere und passen ihr Verhalten entsprechend an. Für Carsten Kraft sind Bisons vorne wie ein Panzer und hinten wie ein Pkw gebaut. Das ist auch ein bisschen das Problem bei der Fleischverwertung. Von den guten Stücken im hinteren Bereich gibt es nicht so viel, deshalb sind sie teurer.

Trotzdem wird möglichst viel von den Bisons verwertet. Das Fleisch ist sehr gesund. In den USA wird es besonders für Herzkranke empfohlen, da es sehr fettarm ist. Das erfordert allerdings beim Braten eine gewisse Vorsicht. "Steaks dürfen nicht durchgebraten werden", so Carsten Kraft. "Sonst wird das Fleisch zäh."

Erwachsene Bisons und Kälber

Noch keine Massenhaltung

Weitere Informationen

Wisente, die europäischen Verwandten des Bisons, stehen unter Naturschutz und dürfen nicht zur Fleischproduktion gehalten werden.

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Die Tiere werden auf der Weide geschossen, dann in einen Schlachthof gebracht und zerteilt. Anschließend verkaufen die Krafts das Fleisch vor allem an Kunden, die es wiederum auf Wochenmärkten verkaufen. Das Fleisch ist hochwertig. Aber Bisons taugen nicht für die Massentierhaltung. Das Fleisch ist noch ein Nischenprodukt.

Dabei sind sie leichter zu halten als Rinder: Sie brauchen keinen Stall, bleiben bei Wind und Wetter draußen. Neben dem Gras auf der Weide bekommen sie noch Heu und etwas Kraftfutter. Die Kraft-Brüder sind froh, dass Bisons und ihr Fleisch noch nicht so populär sind: "Gott sei Dank ist das noch kein Massenprodukt, sonst droht auch hier ein Preisverfall". Davon kann man bei ihren beiden Herden mit 12 und über 20 Tieren sicherlich nicht sprechen.

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