Anouschka Renzi
Vor der Premiere ist Anouschka Renzi immer besonders nervös. Bild © picture-alliance/dpa

Vor der Premiere von "Peer Gynt" von Henrik Ibsen bei den diesjährigen Bad Hersfelder Festspielen hat Anke Oldewage mit der Schauspielerin gesprochen: über Rituale, die Besonderheit der Stiftsruine und die Schönheit Bad Hersfelds.

Anouschka Renzi zählt zu den renommiertesten deutschen Schauspielerinnen. Neben dem Fernsehen spielt sie sehr viel Theater. In Bad Hersfeld spielt sie in "Peer Gynt" die Rolle der Anita, die sie bereits mehrere Jahre in Berlin verkörpert hat. Vor der Premiere des Stücks hat hr4-Moderatorin Anke Oldewage mit ihr gesprochen.

Frau Renzi, wie ist das vor der Premiere? Sind sie immer noch aufgeregt?

Anouschka Renzi: Die letzten Tage waren sehr aufregend. Man hat viel mit der Technik zu tun und nicht immer ging alles glatt. Jetzt ist bei mir noch alles gut, aber im Laufe des Nachmittags wird es schlimm. Ich muss bestimmt 300 Mal für kleine Mädchen.

Ich mache den Beruf jetzt schon sehr lange und bin zwar voher immer noch nervös, aber wenn ich dann auf die Bühne gehe, wird die Nervosität in positive Energie umwandelt. So starke Angst, dass ich paralysiert bin und umfalle, so schlimm ist es nicht.

Haben Sie ein besonderes Ritual, einen besonderen Ablauf vor dem Auftritt?

Anouschka Renzi: Ich habe kein Ritual, aber ich brauche mehr Zeit für mich am Tag der Premiere. Ich bin bestimmt drei Stunden vorher da und verteile auf den Tischen beim Ton, beim Licht, bei der Maske und bei den Schauspielern so kleine "Toi-toi-toi"-Grüßchen.

Dann gehe ich in meine Garderobe und lege mir eine Gesichtsmaske auf, damit ich hoffentlich frisch aussehe. Meistens kriege ich davon eine Allergie und muss dann stundenlang das Gesicht waschen und habe dann während der Vorstellung rote Augen. Aber das mach ich trotzdem immer.

Anouschka Renzi (2. v. r.) mit ihren Kollegen und dem Regisseur Robert Schuster bei der Betrachtung eines Modells der Bühne in der Stiftsruine
Anouschka Renzi (2. v. r.) und Teile des Ensembles von "Peer Gynt": Christian Nickel, Pierre Sanoussi-Bliss, Regisseur Robert Schuster, Nina Petri, Claude-Oliver Rudolph, André Hennicke und Andreas Schmidt-Schaller. Bild © Imago Images

Und dann muss ich immer in der Nähe eines Klos sein, weil ich immer Pipi machen muss. Wenn ein Stück läuft, bin ich eine Stunde vorher da, aber am Tag der Premiere muss ich früh vor Ort sein. Lauf dann meine Gänge ab, gucke, wo meine Requisiten sind. Ich bin etwas neurotisch, so kann man sagen. Ich muss auch immer einmal auf die Bühne und klopfe auf das Holz.

Wie gefällt ihnen, als Berlinerin, so eine Kleinstadt wie Bad Hersfeld?

Anouschka Renzi: Also ich muss sagen, ich finde die Stadt eigentlich sehr schön. Bad Hersfeld ist sehr süß. Ich habe aber auch schon in Bonn gespielt und fand es auch sehr süß. Ich finde es sehr entspannend hier. Die Proben sind nicht entspannt, aber so ein Ort. Ich finde Berlin sehr anstrengend, da kommen so viele Energien von allen Seite und Stimmungen. Man sieht in der U-Bahn Menschen, die depressiv sind, oder agressiv, oder traurig. Und hier ist so ein bisschen heile Welt. Wobei es das hier sicher auch alles gibt, aber nur im Kleinen. Trotzdem ist es hier irgendwie sehr süß.

Außerdem finde ich das sehr nett. Hier gibt es den großen Marktplatz, da sind so zwei, drei Lokale und wirklich alle 300 Leute, die bei den Hersfelder Festspielen mitmachen, alle treffen sich dort. Das ist so lebendig, das finde ich sehr schön.

Der Marktplatz ist schon ein Lieblingsplatz hier in Bad Hersfeld. Einmal am Tag gehe ich essen und zwar richtig schön und warm. Ich hocke da nicht in meinem Appartment und koche mir selber. Auch heute am Tag der Premiere gehe ich dort essen, dann gehe ich halt erst um vier.

Was macht das Spielen in der Stiftsruine so besonders?

Anouschka Renzi: Es ist erstmal eine optische, eine unheimliche Atmosphäre, dann hat die Ruine immer unterschiedliches Licht, je nachdem, was draußen passiert: manchmal ganz rot, manchmal ganz grau, manchmal, wenn es regnerisch ist, ganz lila. Es ist wirklich ganz magisch. Gott sei Dank haben wir keine Herausforderungen technischer Art, denn wir besitzen Mikroports, was ich sehr schön finde. Damit können wir trotzdem ganz privat spielen und müssen nicht "posaunen", damit uns alle Zuschauer hören. Ansonsten glaube ich, so wie die Ruine ist, da es soweit nach hinten geht in die Krypta oder was das ist, da wäre das schwierig.

Es gibt ein paar Herausforderungen für mich: Für so eine "Blindschleiche" wie mich ist es schwierig, denn ich muss immer auf der einen Bühnenseite raus und dann runter in den Keller und die Katakomben, wo überall Steine und Ratten, ja, die habe ich auch schon gesehen, sind. Dann irgendwelche steilen Treppen wieder hoch. Überall, wo ich mich festhalte, ist Taubenkacke. Dann geht's zu den Ausgängen, die ganz hinten sind. Und dann kommt man raus und man sieht wirklich diese unglaubliche Kulisse. Es ist wirklich sehr schön.

Sendung: hr4, hr4 - Mein Morgen in Hessen, 06.07.2018, 06:05 Uhr

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