Katja Ebstein gewinnt den deutschen Vorentscheid mit "Theater"

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found ESC: Deutsches Auf und Ab

Die Deutsche Bilanz in der 64 Jahren langen Geschichte des "Grand-Prix Eurovision de la Chanson" (heute "Eurovison Song Contest") ist ein Auf und - leider ziemlich oft - ein Ab!

Beim ersten Grand Prix, 1956 in Lugano, schickt Deutschland gleich zwei Sänger ins Rennen. Einen Youngster, der gerade zum Sprung auf die ganz große Karriereleiter ansetzt: In Wien geboren, in Hamburg zu Hause, singt er amerikanischen Rock 'n' Roll: Freddy Quinn.

Sein Titel heißt "So geht das jede Nacht". Später wird Freddy Quinn über seinen Auftritt sagen: "Das war das total falsche Lied - die wollten Chansons a la Piaf oder Aznavour - und ich hab' Rock 'n' Roll gesungen."

Freddy Quinn im Jahre 1957
Das Abschneiden beim "Grand Prix Eurovision de la Chanson" konnte Freddy Quinn egal sein, seine Fans mochten seine Musik. Bild © picture-alliance/dpa

Teilnahme am "Grand Prix" kein Karriereschub

Außer dem ersten Platz werden keine weiteren Platzierungen bekannt gegeben. Siegerin wird die unvergessene Lys Assia, die später Beatrice Egli (!) beim Karrierestart geholfen hat, für die Schweiz. Aber man munkelt, Freddy habe nicht ganz so gut abgeschnitten. Seiner kommenden Weltkarriere tut das keinen Abbruch.

Der zweite deutsche Teilnehmer 1956: Walter Andreas Schwarz, ein künstlerisches All-Round-Talent. Er spricht im Radio für die BBC, er steht auf den Theaterbühnen Europas und er schreibt sich sein Lied für den Grand Prix selbst: "Im Wartesaal zum großen Glück".

Walter Andreas Schwarz, der 1956 neben Freddy Quinn für Deutschland sang, mit dem Poster zum 30-jährigen Jubiläum
Walter Andreas Schwarz mit dem Plakat zum 30. "Grand Prix". Ihm brachte die Teilnahme 1956 keinen Erfolg. Bild © Imago Images

Inoffiziell heißt es, Walter Andreas Schwarz hätte es auf Platz 2 geschafft. Zur großen Karriere als Sänger reicht es aber nicht.

Schwarzer Rauch der Tiefpunkt

In den Jahrzehnten danach folgen unter anderem acht letzte Plätze. 2015 sogar mit sage und schreibe NULL Punkten! Anne Sophie heißt die bemitleidenswerte Sängerin, "Black Smoke" - "Schwarzer Rauch" -, ihr Titel, doch es will damit kein Funke überspringen. Auch im Folgejahr belegt Deutschland mit Jamie-Lee und dem Lied "Ghost" den letzten Platz, aber immerhin bekommt sie 11 Punkte.

Anne Sophie bei ihrem Auftritt beim ESC 2015
Mit ihrem Lied "Black Smoke" landete Anne Sophie mit 0 Punkten auf dem letzten Platz. Bild © picture-alliance/dpa

Aber durch diesen "schwarzen Rauch" der weniger guten Platzierungen schimmern natürlich auch die zwei Siege, die vier zweiten Plätze und natürlich der unverwüstliche Ralph Siegel!

Fast nichts geht ohne Siegel

Unfassbare 25 Mal hat er bis heute am ESC als Komponist teilgenommen. Hits wie "Dschinghis Khan" (gesungen von "Dschingis Khan"), "Johnny Blue" (gesungen von Lena Valaitis) und natürlich "Ein bisschen Frieden" (gesungen von Nicole) stammen alle aus der Feder von Ralph Siegel.

Ralph Siegel beim ESC in Malmö 2013
"Mr. ESC" - Komponist Ralph Siegel war bisher mit 27 Liedern - nicht nur für Deutschland - beim ESC-Finale am Start. Bild © picture-alliance/dpa

Zum ersten Mal ist Ralph Siegel 1974 dabei, zum bisher letzten Mal 2017, mit einer Sängerin aus San Marino. Sie schafft es allerdings nicht ins Finale. Ralph Siegel, das sind über 45 Jahre vor allem deutsche "Grand Prix"-Geschichte, mit riesigen Erfolgen, schlimmen Niederlagen - und einer ganze Menge "Theater"! Mit eben diesem Titel holt Katja Ebstein 1980 in Den Haag den zweiten Platz, hinter Sieger Johnny Logan. Ein Jahr später wiederholt Lena Valaitis mit "Johnny Blue" in Dublin dieses Kunststück. Mit "Sürpriz" gelingt Ralph Siegel 1999 letztmals ein Platz in den Top 3.

Raab übernimmt

Stefan Raab trat 2000 selbst als Sänger beim ESC auf
Schrilles Outfit, cooles Auftreten - Stefan Raab schafft 2000 mit dem Klamauk-Titel "Wadde hadde dudde da?" immerhin Platz 5. Bild © picture-alliance/dpa

Mitte der neunziger Jahre nimmt sich dann vorübergehend TV-Star Stefan Raab, auch ein hervorragender Musiker, des ESC an. Als "Alf Igel", eine kleine Spitze gegen Ralph Siegel, schreibt er 1998 den Hit "Guildo hat Euch lieb!" für Guildo Horn. Der Titel erreicht beim Finale in Birmingham immerhin Platz 7. 2000 tritt Raab selbst an und schafft es mit dem Klamauk-Titel "Wadde hadde dudde da?" in Stockholm auf den fünften Platz. Für Max Mutzke komponiert und textet er "Can't Wait Until Tonight" und der wird damit in 2004 in Istanbul Achter.

Die "vergessenen" Erfolgreichen

"Wind" (zwei 2. Plätze, einmal "nur" Platz 16) und Katja Ebstein (einmal Zweite, zweimal Dritte) sind - neben den beiden Siegerinnen - die erfolgreichsten Teilnehmer Deutschlands. In der heutigen Zeit werden diese Erfolge schnell vergessen. Bei bisher acht Finals landen die deutschen Vertreter auf dem letzten Platz. Mit Anne Sophie (2015, 0 Punkte) und Jamie-Lee (2016, 11 Punkte) auch ein ungewolltes Double.

Weitere Informationen

Deutsche Sieger und Platzierte

  • 1970, Amsterdam, Katja Ebstein mit "Wunder gibt es immer wieder", Platz 3
  • 1971, Dublin, Katja Ebstein mit "Diese Welt", Platz 3
  • 1972, Edinburgh, Mary Roos mit "Nur die Liebe läßt uns leben", Platz 3
  • 1980, Den Haag, Katja Ebstein mit "Theater", Platz 2
  • 1981, Dublin, Lena Valaitis mit "Johnny Blue", Platz 2
  • 1982, Harrogate, Nicole mit "Ein bisschen Frieden", Platz 1
  • 1985, Göteborg, "Wind" mit "Für alle", Platz 2
  • 1987, Brüssel, "Wind" mit "Lass die Sonne in Dein Herz", Platz 2
  • 1994, Dublin, "Mekado" mit "Wir geben 'ne Party", Platz 3
  • 1999, Jerusalem, "Sürpriz" mit "Reise nach Jerusalem – Kudüs'e seyahat", Platz 3
  • 2010, Oslo, Lena mit "Satellite", Platz 1
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Offizielles Video des Eurovision Song Contest mit den zehn erfolgreichsten Titeln aus Deutschland.
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Sendung: hr4, hr4 - Britta am Vormittag, 14.05.2019, 10:00 Uhr

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