Handschrift
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Was sagt die Handschrift aus? Entwickelt sie sich im Laufe des Lebens? Kann man an der Schrift das Geschlecht erkennen? Das verrät Professor Dr. Petra Halder-Sinn. Sie ist Gutachterin für Schriftvergleich.

Was kann man aus der Handschrift lesen?

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Unsere Expertin

Professor Dr. Petra Halder-Sinn, Diplom-Psychologin, Gutachterin für Legalprognose und Schriftvergleich

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Man kann aus der Handschrift sehr gut erkennen, ob der Schreiber eine längere Schulbildung und ein Studium absolviert hat oder ob er nur eine kurze Ausbildung hatte und in seiner beruflichen Tätigkeit wenig schreiben muss. Es wird aber immer weniger Berufe geben, die eine handschriftliche Fertigkeit erfordern. Wichtiger wird die Beherrschung der Tastatur sein. Dann wird vermutlich diese Unterscheidung weniger deutlich werden.

Sagt die Handschrift etwas über den Charakter aus?

Graphometrische Untersuchungen haben gezeigt, dass es keine bedeutsamen Zusammenhänge zwischen den Eigenschaften des Schreibers und den Schriftmerkmalen gibt. Graphologen verteidigen ihre Gutachten oft mit der Behauptung, dass die begutachtete Person selbst, wenn sie das Gutachten zu lesen bekommt, der Meinung ist, dass es inhaltlich treffend ist. Das resultiert daraus, dass die Formulierungen unspezifisch oder positiv beschrieben sind. Beispiel: "Die Schreiberin ist ehrlich, wenngleich sie manchmal mit ihrer Meinung hinter den Berg hält." Diese Formulierung ist sowohl positiv als auch für einen großen Personenkreis zutreffend.

Lässt sich an der Schrift das Geschlecht erkennen?

Ja, die sehr schönen, sehr sorgfältigen und meist sehr runden und schleifigen Handschriften, die von Mädchen gefertigt werden, gibt es vereinzelt noch. Aber sie sind inzwischen selten, da die Schönschrift immer weniger Bedeutung in der Schule hat. Und dies wird mit zunehmender Digitalisierung weiter zunehmen.

Wie entwickelt sich die persönliche Schrift? Ab wann kann man davon sprechen, dass sie sich fertig entwickelt hat?

Die Handschrift verändert sich während des ganzen Lebens. In der Jugend und im Alter sind die Veränderungen am deutlichsten, aber auch im Erwachsenenalter gibt es noch Entwicklungen der Handschrift. Aus diesem Grund benötigt man für die Bestimmung der Urheberschaft immer Vergleichsschriften, die möglichst zeitnah zu der fraglichen Handschrift entstanden sind.  

Kuli, Füller, Bleistift: Hat das Schreibgerät Einfluss auf die Entwicklung der Handschrift?

Zitat
„Die Handschrift ist eine Spur des menschlichen Verhaltens.“ Zitat von Professor Dr. Petra Halder-Sinn
Zitat Ende

Für die Entwicklung der Schreibfertigkeit sind eher die individuelle schreibmotorische Fertigkeit, die Häufigkeit mit der in der Ausbildung und im Beruf die Handschrift gefordert ist, die gesundheitliche Beeinträchtigung im Laufe der Jahre und ähnliche Faktoren verantwortlich als das Schreibgerät.

Linkshänder-Rechtshänder - Kann man die dominante Hand einfach wechseln?

Glücklicherweise wird heute kein linkshändiges Kind mehr gezwungen, mit der nicht-dominanten rechten Hand zu schreiben. Der Schriftsachverständige ist in der Regel in der Lage, an einer Schriftprobe zu erkennen, ob sie von einem Rechts- oder von einem Linkshänder geschrieben wurden. Mitunter werden anonyme Schreiben mit der nicht-dominanten Hand geschrieben; in der Annahme, dies wäre eine perfekte Verstellung. Interessant ist dabei, dass es Personen gibt, denen der Wechsel von der dominanten zur nicht-dominanten Hand relativ leicht fällt und die auch mit der nicht-dominanten Hand gut lesbar schreiben können. Andere Personen, die im Rahmen eines Schreibexperiments aufgefordert wurden, die Schreibhand zu wechseln, waren nicht einmal in der Lage das Schreibgerät adäquat zu halten.

Sendung: hr4, Britta am Vormittag, 14.2.2018, 6:05 Uhr

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